Indien

Kühe haben Vorrang – unsere ersten Reisetage am Rad

Gleich um 5.30 Uhr klingelt der Wecker am Montag den 1.10.18. Es ist noch alles dunkel und still im Zimmer von unserem Gastgeber Sumit in Delhi. Rasch packen wir uns zusammen, satteln unser Fahrrad und machen uns auf, um in der kühlen Morgenluft der Rush Hour zu entgehen. Nach einer herzlichen Verabschiedung von unserem Gastgeber geht es los, endlich sind wir auf Delhis Straßen unterwegs! An den Linksverkehr haben wir uns schnell gewöhnt und mit der Zeit wird der Verkehr immer dichter und dichter. Wir schlagen uns die ersten Stunden des Tages durch das turbulente Treiben der indischen Straßen. Es riecht nach Gewürzen, Essen, verbranntem Müll und verwesenden Tieren im Straßengraben – eine Mischung die auf nüchternem Magen doch recht heftig ist. Noch vor dem Frühstück radeln wir knappe 50 km und sind endgültig aus der Großstadt draußen.  Wir sind überglücklich so gut mit dem Verkehr hier zurechtzukommen und radeln am ersten Tag gleich stolze 90 km. Dabei sind und bleiben wir die nächsten Tage zwei wandelnde Schweißflecken auf Rädern. Wir sehnen uns nach einer Abkühlung und radeln daher kräftig Richtung Nepal weiter, um am zweiten Tag nach 125 km am Rad Moradabad zu erreichen. Am darauffolgenden Tag erreichen wir dann nach 90 km Rudrapur und sind nur mehr 1-2 Tagesetappen von der Grenze zu Nepal entfernt. Wir werden unterwegs ständig nach Selfies gefragt und halten am Straßenrand an, um Fotos zu machen. Sogar zwei Lehrer halten uns an und fragen, ob wir im Englischunterricht dabei sein möchten.

Die ersten 3 Nächte schlafen wir in Hotels, da wir auch zwischen den Städten keine Grünfläche finden um unser Zelt aufzuschlagen. Die Unterkünfte kosten uns lediglich umgerechnet 10 Euro pro Nacht und aufgrund der großen Etappen sind wir auch froh ein klimatisiertes Zimmer zu haben.

In unserer vierten Nacht finden wir jedoch keine Unterkunft und da es schon Zeit ist eine Bleibe für die Nacht zu suchen fragen wir bei einer Tempelanlage nach, ob hier ein Plätzchen für unser Zelt wäre. Ein älteres Ehepaar nimmt uns herzlich auf und wir verständigen uns mit Händen und Füßen, da sie kein Wort auf Englisch verstehen. Später am Abend kommt ihr Sohn nach Hause, welcher alles für uns übersetzen kann. Wir werden allen Nachbarn vorgestellt und bekommen bei jedem Haus etwas zu essen. Als in der Nacht der ganze Rummel vorbei ist und wir uns hinlegen beginnt Dominik’s Magen aktiv zu werden. Da hilft auch die gut gemeinte Kohletablette nichts mehr. Die halbe Nacht verbringt Dominik auf der Toilette und kann nichts in sich behalten, auch die orale Rehydrationslösung kommt sofort wieder retour. Die Gastfamilie ist besorgt und möchte einen Doktor rufen. Irgendwann kurz vor Mitternacht hat der Spuk ein Ende und Domi kann erschöpft einschlafen. Am nächsten Tag können wir weiterhin bei der Familie bleiben, welche sich sehr gut um uns kümmert. Wir bekommen zu essen und zu trinken. Auch Dominik wagt wieder ein paar Bissen und fühlt sich gleich besser. Viele Kinder und Erwachsene aus dem Ort kommen vorbei. Wir sind jedes Mal eine kleine Attraktion.

Als wir am darauffolgenden Tag aufbrechen möchten unsere Gastgeber, dass wir noch eine Nacht bleiben. Wir hatten viel Spaß zusammen, haben mit den Kindern des Dorfes Verstecken gespielt, sind spazieren gegangen und haben Fotos angeschaut. Doch wir freuen uns schon auf den nächsten Abschnitt – Nepal!

 

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