Nepal (Annapurna Trail)

Land der Berge

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Die Einreise nach Nepal gestaltete sich überraschend einfach: An der westlichen Grenze konnten wir in einer kleinen Hütte mit einer Mischung aus Euro und Dollar unser Visum ergattern. Was uns an diesem Land sofort auffiel: es ist viel grüner und weniger besiedelt als Indien. Freudig radelten wir also los. Unser Ziel stand fest, wir wollten das Touristen-Mekka Nepals besuchen: die Stadt Pokhara. Ebenso stand zur Diskussion, ob wir den Annapurna Trail gehen sollten. Es gab somit zwei Optionen: Entweder wir packen die Fahrräder in den öffentlichen Bus und sparen Zeit um den Tail gleich zu gehen oder wir kommen irgendwann wieder nach Nepal und gehen dann den Trail. Wir entschieden uns für die erste Option und packten kurzerhand unsere Räder auf das Dach eines Busses. In Pokhara erhielten wir anschließend alle Zulassungen die wir brauchten und gingen für 12 Tage auf Wanderschaft. Jeden Tag staunten wir über diese wunderschönen Berge, besuchten den Tilicho Lake auf über 4900 Meter und liefen über den 5416 Meter hohen Pass. Von Jomsom fuhren wir mit einem öffentlichen Bus zurück nach Pokhara, was sich zu einer Horrorfahrt entwickelte. Viel zu viele Menschen zusammengepfercht auf engstem Raum, die schlaglochreichste Straße die man sich nur vorstellen kann und massenweise Sand in der Luft. Unser innerer Seismograph zeigte eine glatte 8 auf der Richterskala an, diese Fahrt gleichte wahrlich einem Erdbeben, und das für 17 Stunden lang!

 

Am Ende des Trails gönnten wir uns noch einen Ruhetag in Pokhara und sattelten anschließend wieder unsere Fahrräder. Die Fahrt von Pokhara zurück in den Süden des Landes gestaltete sich sehr hügelig und brachte uns ganz schön ins Schwitzen. Am Weg wurde aber keine Bademöglichkeit ausgelassen, was Dominiks Gemüt sehr positiv stimmte. Wir zelteten im Wald und an schönen Stränden neben Flüssen. Gelegentlich bekommen wir nächtlichen Besuch von Kühen die gerne unser Essen haben möchten. Unsere Tageskost besteht hauptsächlich aus Samosa und Donuts – die perfekte Kombi für uns Radfahrer. In wenigen Tagen verlassen wir Nepal um erneut nach Indien zu fahren. Wir werden dieses wunderschöne Land sehr vermissen!

 

 

Nepal, Nachtrag:

Zu Nepal gibts noch einiges zu schreiben. Die letzten Nächte gestalteten sich etwas turbulenter als gewohnt. In unserer drittletzten Nacht bekamen wir beim Zeltaufbau Besuch von einer großen Kinderschar aus dem angrenzenden Dorf. Die meisten schätzen wir auf rund 12 Jahre. Zu Beginn schauten sie uns beim Zeltaufbau zu und saßen neben uns im Sand. Die Schar der Kinder wuchs und wuchs und plötzlich begannen einige Kinder Steine auf unsere Fahrräder zu werfen. Auch die Zelthaken verschwanden plötzlich. Gott sei Dank bekamen wir aber alles wieder retour (ein etwas älterer Bursche hat dann mal ein Machtwort gesprochen). Keiner der Jugendlichen konnte mit uns englisch sprechen, doch das Wort „Tiger“ verstanden wir auch so. Sie deuteten immer wieder auf den Wald. Aber da wir gleich neben einer vielbefahrenen Straße und einem Dorf schliefen, hatten wir diesbezüglich keine Bedenken. Aber als es dann dunkel wurde und wir alleine waren, hörte sich jedes Geräusch an wie das Knurren einens Tigers. Wir waren aber so müde vom Radeln, dass wir gut und schnell einschliefen.

Die Nacht darauf befanden wir uns schon sehr nahe der östlichen Grenze zu Indien. Da ein Reisfeld nach dem anderen seitlich die Straßen säumte, fanden wir kaum einen Platz für unser Zelt. Wir fragten daher bei einem Dorf nach, ob wir hier nahe der Straße zelten dürften. Dies war kein Problem und somit begannen wir mit dem Aufbau, umringt von rund 20 einheimischen Personen. Alle waren sehr freundlich und zuvorkommend, wir hatten ein richtig gutes Gefühl bei unserem Zeltplatz. Wir bekamen jedoch drei nächtliche Besuche von der Polizei. Bei den ersten beiden Besuchen wollten sie uns zum Polizeipatz mitnehmen, da es dort sicherer für uns wäre. Sie erzählten uns, dass hier Elefanten vorbeikommen würden. Aber da es sich auch hier um eine dicht befahrene Straße handelte, erklärten wir ihnen, dass wir gerne hier schlafen würden. Ebenso würde es lange dauern alles wieder zusammenzupacken und mit dem Fahrrad zur Polizeistation zu radeln. Beim dritten Polizeibesuch hatten sie einen Pickup dabei. Wir waren schon im Land der Träume als sie beim Zelt anklopften. Somit packten wir alles zusammen und verbrachten unsere Nacht vor dem Polizeigebäude. Die Beamten waren alle sehr freundlich und hilfsbereit, somit war unser Zelt in windeseile wieder aufgebaut.

Unser letzter Abend gestaltete sich sehr ruhig und friedlich in einem Wald kurz vor der Grenze zu Indien. Wir verbrachten den Nachmittag mit Kochen und spielten ein paar Runden „Schnapsen“ (kein Trinkspiel, sondern ein Kartenspiel). Die Ausreise gestaltete sich ebenso mühelos wie die Einreise. Unser nächstes Ziel lautete Siliguri. Hier werden wir bei einem Couchsurfer übernachten.

 

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