Myanmar

Tempelrallye 1.0

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Nach unserer letzten Nacht bei einer Polizeistation in Moreh (Indien) kamen wir in Myanamr an. In der ersten großen Stadt nach dem Grenzübertritt besorgten wir uns gleich wieder alle für uns wichtigen Dinge – allem voran wurde ausgekundschaftet, welche Leckereien die Märkte hier für uns bereithalten würden. Unser Blutzuckerspiegel würde auch in Myanmar nicht sinken – gleich nach den ersten Metern fanden wir Shops mit allerlei verschiedenen Kuchen und Stände mit frittierten Teigstangen. Was uns an der Küche des Landes besonders gut gefiel: In jedem Lokal stand eine Kanne Tee am Tisch und man konnte sich immer frei bedienen. Das Angebot an Gemüsegerichten war sehr groß, dieses mal auch für unsere nicht an Schärfe gewöhnten Gaumen verträglich zubereitete Speisen – Herrlich!

Am ersten Abend fuhren wir zur Schlafplatzsuche in gewohnter Manier zu einer Polizeistation. In Indien konnten wir bei Polizisten fast immer einen guten und sicheren Zeltplatz erfragen. Mit den Beamten in Myanmar konnten wir uns leider kaum auf Englisch verständigen, doch dank unserem Bildwörterbuch war schnell klar, dass wir einen Platz für unser Zelt suchten. Anschließend kam noch ein Beamter der Immigration-Police dazu. Er erklärte uns in gebrochenem Englisch, dass wir als Touristen in einem Hotel schlafen müssten. Er sprach davon, dass wir entweder zurück in die Grenzstadt Tamu müssen, oder in die 70 km entfernte Stadt Kalay, da in unserer näheren Umgebung weit und breit kein Hotel war. Nach Tamu zurückzufahren kam für uns nicht in Frage, ebenso war es schon viel zu spät um noch weitere 70 km zu radeln. Ebenso wollten wir uns eine Busfahrt nach Kalay sparen, welche uns die Polizisten aufdrängen wollten. Natürlich sagten wir das der Polizei nicht, bzw. eigentlich schon, aber es verstand uns ja dort keiner. Wir setzten uns einfach auf unsere Räder, winkten freundlich und fuhren einfach weiter. Wir hatten glücklicher Weise noch ein Ass im Ärmel: nach nicht einmal 1 km kamen wir zu einem buddhistischen Tempel und fragten den dort leitenden Mönch, ob wir für eine Nacht bleiben könnten. Er erzählte uns von einigen Radfahrern, die bereits bei ihm übernachtet haben und nahm uns bei sich auf. Umringt von einer großen Kinder- und Hundeschar bereiteten wir erleichtert auf unserem Gaskocher das Abendessen zu. Wir hätten die Mönche gerne als Dankeschön auf das Essen eingeladen, doch wie in fast allen Tempel in denen wir auf unserer Reise bleiben durften, essen die Mönche nach dem Mittagessen nichts mehr. Diese Nacht war die erste von vielen Nächten in den Tempelanlagen von Myanmar. Wir suchten uns gezielt immer kleine Tempel außerhalb von größeren Städten und hatten so wahrlich wunderschöne Unterkünfte. Einzig und allein die Körperpflege gestaltete sich für Berni meist nicht so einfach, da sie sich nicht, im Gegensatz zu Domi und die anderen Männer,  beim Wasserbecken waschen konnte. Dies hatte aber bald ein Ende (nicht wegen der Geruchsbelästigung – nein – sondern weil sich Berni in Bagan ein bodenlanges Tuch gekauft hat, welches als „Duschkleid“ fungierte).

Unser Rhythmus passte sich denen der Mönche an: Am Abend früh ins Bett und am Morgen um 5 Uhr auf (länger kann man sowieso nicht schlafen, weil sie dann lautstark zu beten beginnen und dies über Lautsprecher abspielen 😀 ) Wir lernten auch viele unterschiedliche Mönchs-Typen kennen: von traditionell bis hin zu überdrehte Mönche die uns auf ein kaltes Bier einluden. Und wenn wir einmal bei einem Tempel eine Absage bekamen (manche Mönche wussten eben, dass man als Tourist eigentlich in einem Hotel schlafen muss), so fragten wir in einem anderen Tempel nach oder schlugen unser Zelt im Grünen auf (dies war aber fast nie nötig – wir verbrachten nur 2 Nächte im Zelt).

Da wir von einem Radfahrkollegen die Info bekommen hatten, dass die Straßen zwischen Kalay und Monywa sehr schlecht sein sollen, entschieden wir uns für eine Alternative. Wir fuhren die Strecke mit dem Boot. Auf dem Fluss Chindwin schafften wir so 200km in ca. 8h.  Von hier ging’s wieder weiter mit dem Fahrrad, unser nächstes Ziel war die weltweit wegen ihren Tempelanlagen bekannte Stadt Bagan. Dort angekommen merkten wir beim täglichem Bananenkauf., dass sie hier nicht in unserer Preisliega spielten. Sogar unsere heißgeliebten Frühstücksnudeln kosteten hier das 4-fache. Glücklicherweise fanden wir aber eine günstige Unterkunft bei einer 83- jährigen Hotelbesitzerin. Sie war selbst einst eine Weltenbummlerin: 1955 fuhr sie im zarten Alter von 20 Jahren mit ihrem 18 Jahre älteren Ehemann mit dem Motorrad 2 Jahre um die halbe Welt. Gestartet sind sie in Myanmar- über Indien, Pakistan usw. nach Europa und wieder zurück. Über ihre Reisen hat sie insgesamt 17 Bücher geschrieben. Da wir bei ihr rundum mit Essen verorgt wurden, nannten wir sie insgeheim liebevoll „Bagan-Oma“.  Wir treffen hier auch das erste Mal auf andere Radreisende.

Da wir uns den Zug nach Yangon sparen wollten, läuteten wir die „Power-Tage“ ein. Somit hatten wir 5 Tage zu je 150 km vor uns. Wir radelten also was das Zeug hielt und schliefen wie wir es gewohnt waren in Tempelanlagen. Diese Idylle wurde jedoch leider eines Abends unterbrochen, also wir unerwarteterweise gegen 20 Uhr Besuch von der Immigration Police bekamen. Diese erklärten uns nun zum zweiten Mal, dass wir in einem Hotel schlafen müssten. Da wir uns aber eigentlich schon zum Schlafen hingelegt hatten und ihnen freundlich erklärten, dass wir mit geringem Budget auskommen wollen, ließen sie uns nach einer halben Stunde endlich wieder zu Bett gehen. Unsere Reisepässe hatten sie sich zuvor gefühlt 20x durchgesehen und unzählige Fotos davon gemacht. Die Nachtruhe währte aber nicht lange – um 1 Uhr nachts wurden Taschlampen auf uns gerichtet. Ein Polizist fragte erneut nach unseren Reisepässen. Wir fragten mehrmals ob es ein Problem gäbe – aber die freundlichen Beamten antworteten immer mit „No Problem“. Am nächsten morgen radelten wir wie immer kurz vor Sonnenaufgang weiter – nur waren wir dieses Mal nicht alleine. Zwei Polizisten fuhren in Zivilkleidung mit ihren Motorrädern neben uns her. Zuerst dachten wir sie möchten uns nur den Weg zeigen, doch als die verschiedensten Polizisten uns den Rest des Vormittages lückenlos verfolgten, fragten wir uns doch wozu der ganze Aufwand gut sein sollte. Alle 5 km wechselten sie sich ab. Sogar beim Frühstück setzten sie sich in das selbe Lokal wie wir. Als wir nach der Rechnung fragten, hatten die Polizisten diese bereits bezahlt. Wir bedankten uns herzlich  und fuhren – gefolgt von den Polizisten – weiter.  Anfangs fuhren sie noch offensichtlich, als Polizisten erkenntlich, hinter uns her. Als wir abermals nachfragten ob es ein Problem gäbe, war die Antwort stets „No Problem“. Am Nachmittag begannen die zivil gekleideten Polizisten uns unauffällig zu verfolgen, bzw. machten sie auch heimlich Fotos von uns. Besonders gut waren sie in diesem Detektivspiel aber nicht. Bis zum Abend konnten wir bestimmt 15 „verdeckte Ermittler“ ausmachen. Wir persönlich dachten uns dabei, dass sie nur sichergehen wollten, ob wir die Nacht in einem Hotel verbringen oder nicht. Berni hatte stets ein ungutes Gefühl, doch dank Dominiks aufmunternde Worte (der die ganze Sache eher lächerlich fand), wurde dieser Tag doch noch erträglich. Als uns die ganze Verfolgerei doch zu bunt wurde, begann auch Dominik Fotos von unseren halbprofessionellen Ermittlern zu schießen. Eine der „Detektive“ ließ sich von dieser Aktion abschrecken, wodurch wir eine kurze verfolgungsfreie Pause hatten. Spürhund Dominik hatte einen Volltreffer gelandet – dank ihm bogen wir kurzerhand in einen kleinen schmalen Schotterweg Richtung Wald ab. Am Ende dieses langen Weges war ein kleines buddhistisches Kloster, bei dem wir einen sicheren Unterschlupf  fanden 😉 . Am nächsten Morgen ging das Spiel nach kurzer Zeit wieder von neuem los. Langsam wurden wir fast wahnsinnig – hinter jedem Motorradfahrer könnte ein Polizist stecken. Wir beschlossen also die Beamten nun völlig zu verwirren und fragten den nächsten LKW-Fahrer, ob wir mit ihm in die nächste Stadt fahren könnten. Wir freuten uns sehr einen 150 km „Power-Tag“ am Rad durch eine gemütliche Lastwagenfahrt zu ersetzen. Nebenbei hatten wir die lästigen Polizisten vom Hals. Wie gewohnt schliefen wir den Rest unserer Myanmarreise bei Tempel bzw. bei Couchsurfern (was eigentlich auch nicht erlaubt ist – weil kein Hotel) 😀

In Yangon angekommen freuten wir uns auf eine kleine Pausenzeit bei unserem Gastgeber von Couchsurfing. Zuerst verarzteten wir noch einen kleinen Jungen, der einen Fahrradunfall hatte. Nach dem ganzen Trubel konnten wir in dieser wunderschönen grünen und modernen Stadt gut abschalten. Wir sammelten Kräfte für die letzte Etappe unserer Zeit in Myanmar (indem wir uns einen Tag nur zwischen Bett, Küche und Klo hin- und herbewegten 😀 ) Unsere letzte Radstrecke zur Thailändischen Grenze hielt zwei besonders schöne Schlafgelegenheiten für  uns bereit. Am vorletzten Abend schliefen wir in einem Tempel, welcher in einen Felsen gebaut wurde (mit Blick auf einen großen See). Ein Mönch in unserem Alter zeigte uns bei einem Abendspaziergang die wunderschöne Landschaft. Die letzte Nacht verbrachten wir im Kerzenschein in einem anderen Tempel nahe der Grenze. Überall wurden wir mit köstlichem Essen versorgt. In diesem Tempel wurden zwei 3-jährige Waisenkinder aufgezogen, die Dominik sofort als Spielkamerad belagerten. Wir haben auch unseren ersten Kuchen mit unserem Gaskocher zubereitet. 🙂

 

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass wir uns in Myanmar (sowie auch im Norosten Indiens) immer wohlfegühlt hatten, obwohl wir mehrmals von einigen Teilen dieser Länder nichts besonders Gutes gehört haben. Immer wieder wurde uns auch am Weg von einer Reise in einzelne Teile abgeraten. Auch das Auswärtige Amt gibt diesen Regionen teilweise die Sicherheitswarnstufe 3.  Wir haben jedoch ausschließlich gute Erfahrungen gemacht und können eine Reise dorthin sehr weiterempfehlen.

 

 

 

 

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