Thailand 2.0

Lazy days in Thailand

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Am Vormittag noch am Felsen mitten in einer Kletterroute, am Nachmittag wieder in der prallen Sonne im Sattel – so gestaltete sich unser Abschied von Laos. Nach fast einer Woche „Kletterurlaub“ hieß es nun wieder radeln, schwitzen, noch mehr schwitzen und Schlafplätze suchen.Unsere erneute Einreise nach Thailand gestaltete sich einfach und reibungslos – Stempel in den Pass und fertig. Da es schon zu dämmern begann, fragten wir in alter Manier bei einem Tempel nach, ob wir unser Zelt am Gelände aufstellen könnten. Ein Einheimischer verwies uns auf einen Campingplatz, welcher laut ihm gleich in der Nähe sein sollte. Eine ganze Kinderbande eskortierte uns auf ihren Fahrrädern zum vermeintlichen Zeltplatz. Als die Kinder uns auf einem Stück Wiesenfläche am Flussufer des Mekong absetzten, bestätigte sich unser Verdacht, dass es sich doch nicht um einen offiziellen Campingplatz handelte. Nichts desto Trotz fühlten wir uns dort am Fluss gleich wohl – für die figurbewussten Thailänder gab es dort eine Reihe von Fitnessgeräten, die man kostenlos benutzen konnte (wenn uns auch der Nutzen – oder die Handhabung – bei einigen der Geräten nicht ersichtlich war). Als wir uns auf den Rasen setztn und zu kochen begannen, waren wir in kürzester Zeit umringt von einer Schar Kinder, Sportgerätebenutzern und vorbeifahrenden Radfahrern. Der Blickfang war wie immer unser kleiner Campingkocher. Somit fühlten wir uns wie die TV-Köche Andi und Alex, umringt von faszinierten Zusehern unseres Abendessen-Kochprogramms. Als es dunkel wurde legten wir lediglich die Schalfmatten zwischen unsere Fahrräder und spannten das Moskitonetz über uns und die Räder – somit hatten wir ein luftiges Tausend-Sterne-Himmelbett im Freien. Der einzige Besucher in dieser Nacht war ein einsamer – aber friedlicher – Straßenhund.

Thailand stellt ein wahres Paradies für Radfahrer dar – die Straßen sind fast durchgehen in einem guten Zustand (auch die kleinen Nebenstaßen! 😉 ) und man kommt mit Englisch (und manchmal Händen und Füßen) gut durch. Da wir bis zu unserer Einreise nach Kambodscha noch relativ viel Zeit hatten, die Grenze jedoch nicht mehr allzuweit entfernt lag, gestalteten sich unsere Tage im Osten des Landes sehr gemütlich: wir fuhren jeden Tag rund 60 km, machten eine große Mittagspause mit Kochen und Verdauungsschläfchen und hatten obendrein noch genug Zeit, um schöne Schlafplätze zu suchen. Wir peilten am späten Nachmittag meist Seen an, um dort unser Nachtlager aufzuschlagen. Einmal wurden wir besonders vom Glück geküsst: Am Nong Han Lake (nahe der Stadt Sakon Nakhon) fanden wir unsere „eigene“ menschenleere Insel, auf der sich ein kleiner offener Bungalow befand. Diese Insel erreichten wir über einen rund 1 km langen Steg. Anfangs waren wir skeptisch, ob wir dort überhaupt einen Schlafplatz finden könnten, da auf unserer Karte nichts eingezeichnet war. Gott sei Dank haben wir es aber auf gut Glück probiert! Auf dieser Insel haben wir eine Nacht im Moskitonetz zwischen unseren Fahrrädern verbracht – inklusive wunderschönem Sonnenaufgang vom Bett aus. 🙂 Da leider kein Steg in den See hineinreichte, mussten wir einen anderen kreativen Weg finden, um Wasser zu schöpfen. Dank Dominiks Gelenkigkeit wurde auch dieses Problem gelöst – sehet selbst 😉

Unser Weg führte uns durch eine schönen, herbstlich aussehenden Nationalpark. Das rund 8-10 kg schwere Zusatzgewicht machte sich bei der hügeligen Landschaft aber gleich bemerkbar. Seit Laos haben wir ein 50 Meter langes Kletterseit, Kletterschuhe, Gurte, Karabiner, Expressschlingen und Bandschlingen dabei – unsere gesamte Kletterausrüstung eben. Aber was tut man nicht alles für sein Hobby 😉 Der 5 kg schwere Reissack, den wir im Supermarkt gekauft haben, hat unsere Gewichtssituation bestimmt auch nicht verbessert (aber wer kann bei Mengenrabatt schon wiederstehen?).

Dankenswerterweise fanden wir in Thailand auch immer wieder einen Zeltplatz bei Tempelanlagen. Die vielen Hunde der Mönche fanden uns als Besucher immer sehr interessant – vor allem die verspielten Welpen. Manchmal mussten wir sehr kreativ werden, um uns die Hunde beim Kochen vom Leibe zu halten (Mit Spielstöckchen eine Runde zur Sitting-Buddha-Statue laufen usw. 🙂 ) MERKE: Lass niemals deine Schuhe über Nacht vor dem Tempel stehen! Die 8! Hunde eines Tempels haben Bernis Sandalen zum Spielen geklaut und irgendwo am Gelände versteckt. So wurden die teilweise zerkauten Schuhe erst nach einer Stunde des Suchens am frühen Morgen wieder gefunden…

Zwischendurch feierten wir auch Bernis Geburtstag. Ihr einziger Wunsch war es, guten Kaffee zu trinken – gesagt, getan. Wir planten unseren Tag so, dass wir am Nachmittag eine Tankstellenraststätte namens „Cafe Amazon“ erreichen würden. In der Früh nach dem Aufstehen gab es Instantkaffee frisch zubereitet auf unserem Campingkocher, am Vormittag dann Kaffee aus der Dose bei einem Shop und am Nachmittag zur Krönung einen Kaffee bei „Cafe Amazon“. Der Tag gestaltete sich sehr schön – nur konnten wir am Abend aufgrund der Koffeinüberdosis nicht einschlafen :-).

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Nach fast zwei Wochen durchgehendem Radeln kamen wir in Sangkha, ein Ort in der Nähe der kambodschanischen Grenze, an. Dort verabredeten wir uns mit einer Gastgeberin von Warmshowers (eine Plattform, wo Fahrradfahrer eine Couch/Unterkunft gratis zur Verfügung stellen – ähnlich wie Couchsurfen). Da unsere Gastgeberin selber nicht zuhause war, wurden wir von ihrer Mutter, Freundinnen und ihrem Bruder in Empfang genommen. Wir waren wieder einmal von der Gastfreundschaft dieser Plattformbenutzer und Benutzerinnen begeistert: Wir hatten ein eigenes kleines Gartenhaus für 3 Nächte inklusive Klimaanlage – der pure Luxus für uns. Die Freundinnen unserer Gastgeberin nahmen uns zu Ausflügen mit und wir wurden vom Fahrradclub dieses Ortes zum Essen eingeladen. Als Berni am vorletzten Tag Fieber bekam, lud uns die Mutter unserer Gastgeberin ein, noch einen Tag oder länger zu bleiben. So verbrachten wir 4 Nächte im gemütlichen Gartenhaus. Das Fieber wurde in zwei Nächten vollständig „rausgeschwitzt“ und wir waren bereit zur Weiterreise. Zum Abschied radelten wir mit „Superman“ und „Spiderman“ (zwei Mitglieder des Fahrradclubs) gemeinsam ein Stück unseres Weges. Als Proviant bekamen wir noch zwei Säckchen frische Bananenmuffins mit (welche leider bereits nach wenigen Minuten vollständig verspeist waren… 🙂 ).

Unser letzter Stop in Thailand war bei Siraporn, ebenfalls eine thailändische Gastgeberin von Warmshowers. Seit einem Unfall in ihrer Kindheit ist sie auf einem Auge blind und auf einem Ohr taub. All das hat sie aber nicht davon abgehalten, die ganze Welt zu bereisen. Sie ist jetzt 59 Jahre alt, ihre Kinder sind erwachsen und sie lebt ihren Traum – Radreisen. Vor 10 Jahren hat sie ihr Haus und ihr Auto verkauft, hatte Geld gespart indem sie teilweise 3 Jobs gleichzeitig hatte und fährt seither auf der ganzen Welt mit ihrem Reisefahrrad. Die kleine „Hütte“, wie sie ihre Unterkunft in Thailand nennt, besteht nur aus einem Schlafzimmer, einem Bad und einer kleinen Küche, welche sie auch für Warmshowersgäste zur Verfügung stellt. Wir lernten in den 2 Tagen bei ihr auch den 83-jährigen Jürgen aus Deutschland kennen. Die beiden haben sich bei einer von Siraporns Radreisen in Deutschland kennengelernt und sind nun sehr gute Freunde. Mit leuchtenden Augen erzählte uns Jürgen, dass er nie geglaubt hätte, in diesem Alter nochmal solche Abenteuer zu erleben. Vor wenigen Jahren hat er Sira kennengelernt und ist seither öfters mit ihr auf Reisen. Da er nicht mehr alles mit dem Fahrrad fahren kann, begleitet er sie Abschnittsweise mit seinem Campingbus.

Am 31.1. radelten wir voller Vorfreude (und in Begleitung von Sirapon) zur kambodschanischen Grenze. Bald schon werden wir dort Dominiks Familie treffen. Mehr dazu aber erst im nächsten Eintrag 😉

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