Griechenland

Sommer, Sonne, Sonnenschein

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Wieder veränderten sich merklich Kultur und Menschen. Wir wurden früh morgens nicht mehr vom Muezzin geweckt, sondern von Kirchenglocken oder dem Rauschen des Meeres.

Wir wählten eine Route entlang der Küste, welche es uns möglich machte, jeden Tag am Meer zu campen. Ehrlich gesagt hätten wir bei dieser Hitze ohne der Aussicht auf eine Abkühlung im Meer bestimmt nicht so durchgehalten, wie wir es haben. Die Temperaturen glichen einem Backofen, der auf Umluft eingeschaltet war. Immer wieder peitschte uns die heiße Luft ins Gesicht, während man sich Kilometer für Kilometer weiter fortbewegte. Wir waren so braun wie noch nie zuvor auf der Reise und hatten den größten Sonnencreme Verbrauch denn je. Denn seit wir Griechenland betreten haben, haben wir eine Mission: eine gleichmäßige Radlerbräune aufzubauen 😉 Warum dies so ist? Ganz einfach: Als wir die ersten Kilometer in Griechenland geradelt sind, kamen uns drei super gebräunte Radfahrer entgegen.

Als sie weg waren meinte Domi: „Soll ich auch oben ohne fahren? Dann wird meine weiße Hendlbrust vielleicht auch noch so braun“.

Darauf Berni: „Ja sicher. Glaubst du, ist es okay wenn ich auch im Bikinioberteil fahre zwecks Bräune?“

Kurze Nachdenkpause. Dann darauf Domi: „Ja sicher, immerhin sind wir jetzt in der EU“.

Apropos EU. Beim Grenzübertritt stießen wir mit Eiskaffee und Fruchtsaft an. Wir waren nun wieder in der EU. Vor fast einem Jahr sind wir von Indien aus aufgebrochen, nun sind wir schon wieder im Euroraum. Und den erste Preisschock bekamen wir auch gleich. In dem kleinen Lokal bei der Grenze zahlten wir für Eiskaffee und Fruchtsaft soviel wie in Tadschikistan für ein ganzes Mittagessen mit Tee und Kaffee obendrein. Trotzdem wurden wir etwas sentimental und mussten sogar ein paar Tränchen verdrücken. Okay, nur Berni vergoss ein paar Tränen, aber wir waren beide gerührt – Österreich war jetzt schon so nahe! Und wo wir schon beim Essen sind – wie Sie, liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs vielleicht schon mitbekommen haben, ist das Essen ein zentrales Thema unter uns Radfahrern. Wie schon im letzten Eintrag beschrieben, konnten wir nach so langer Zeit unseren Campingkocher-Klassiker „Reis mit Gemüse“ kaum mehr sehen. In Griechenland switchten wir dann zu einer Ernährung, die aus Müsli mit Milch und Obst bestand – dies war auch der Hitze geschuldet, die die Lust auf warmes Essen fast gänzlich zu nichte machte. Da wir die Milch am Fahrrad nicht kühlen konnten, verspeisten wir unsere Mahlzeit immer gleich vorm Supermarkt.

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Wir wurden von der Schönheit Griechenlands in den Bann gezogen – blitzblaues Wasser, saubere Strände und Campingmöglichkeiten soweit das Auge reicht. Mussten wir im extrem dicht besiedelten Südostasien bereits am frühen Nachmittag nach geeigneten Campingmöglichkeiten Ausschau halten, so gab es hier so viele Möglichkeiten zum Zelten. Wir erfanden eine neue Konstruktion, um das luftigere Innenzelt zwischen unseren Fahrrädern aufzustellen – die Strandversion unseres Zeltes eben 😉

In Griechenland lernten wir aber auch die Seiten abseits der unbeschwerten Touristenhotspots kennen. Kilometerlange, leerstehende Gewerbeparks. Teils sehr modern wirkende Fabriken, Geschäfte und Lagerhallen – alle verlassen. Dies ist auch das Besondere am Radreisen, man kommt nicht nur in große Städte, sondern erlebt auch hautnah die Situation an entlegeneren Orten. Wie in jedem von uns bereisten Land versuchten wir uns über die politische Situation und die Geschichte zu informieren. Wir lasen daher viel über die Wirtschaftskrise, welche noch immer in diesem Land stark zu spüren ist. Eines Abends trafen wir an einem kleinen Strand ein junges griechisches Pärchen. Der Mann sprach uns auf Deutsch an. Wir kamen ins Gespräch und er erzählte uns, dass er vor zwei Jahren nach Deutschland gegangen sei. Er betreibe dort nun mit Verwandten ein Restaurant mit deutschen und griechischen Speisen. Es dauerte eine Weile, bis wir uns trauten die Fage zu stellen, ob er aufgrund der Wirtschaftskrise gegangen sei. Er erklärte uns, dass er hier keine Perspektive hatte. Es gibt sehr wenig Arbeit, die meisten arbeiten hier für den Mindestlohn, welcher rund 300€ beträgt. Seit der Krise gibt es keine staatlich geregelte Krankenversicherung mehr. Seine Freundin sieht er nur jetzt im Urlaub. Sie hat bereits ein Kind, findet aber keine Arbeit. Das Kindergeld beträgt lediglich 70€ im Monat. Es gehe ihm nun in Deutschland finanziell besser, er vermisse aber das Meer und seine Heimat Griechenland sehr. Dieser Betrag ging uns nicht mehr aus dem Kopf… 300€ Lohn, wobei die Lebensmittel gleich viel kosten wie bei uns. Wir tauschten unsere Kontakte aus und vereinbarten, mit dem Fahrrad einmal eine Tour zu ihm in sein Restaurant in Bayern zu machen.

Nach dieser Begegnung am Strand lernten wir noch einen argentinischen Radreisenden kennen. Sein Reiserad war ein richtiger Hingucker, denn er fuhr ein Klapprad. Wir konnten uns so gut wie nicht verständigen, doch wie fast immer verstanden wir auch ohne Worte, was gemeint war. Wir campierten eine Nacht gemeinsam auf einem Spielplatz, bevor unser argentinischer Kollege am nächsten Morgen mit dem Zug weiterfuhr (Klapprad sei Dank 😉 ).

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Nach fast zwei Woche radeln und zelten am Meer sollte unsere Route ins Landesinnere führen. Immerhin mussten wir in die Hafenstadt Patras im Osten des Landes, um unsere Fähre nach Italien zu erwischen. Bereits am ersten Tag vernab vom Meer wurde uns klar: so geht das nicht. Wenn man permantent schwitzt und schon die Salzränder an der Kleidung sieht, sich obendrein wie ein Essiggurkerl fühlt weil die Haut selbst vom Schwitzen so salzig ist, dann muss man sich eingestehen, dass Radfahren in dieser Hitze OHNE Aussicht auf ein kühles Bad im Meer nicht besonders spaßig ist. Wir suchten nach einer Lösung für unser Problem. Und schon war die Idee geboren einen Zug nach Athen zu nehmen, um dann erneut die Küste im Süden entlang nach Patras zu fahren. Wir waren zuerst etwas skeptisch, sollten wir es nicht einfach durchziehen ein paar Tage ohne Wohlfühlfaktor Baden auszukommen? Aber dann stellten wir uns auch die Frage „Wie schnell kommen wir überhaupt wieder in die Gelegenheit, diese kulturell sehr beeindruckende Stadt Athen zu besichtigen?“ Mal ganz davon abgesehen, dass wir dann wieder an einer Küste entlang fahren könnten 😉 Als dann Dominik permanent sein selbst erfundenes Lied mit dem sich immer wieder wiederholenden Text „Athen, Athen, Athen – Athen musst du sehn’“ sang, und somit alle Zweifel bereinigte, stiegen wir in den Zug und besichtigten die Hauptstadt. 🙂

Und dann ging alles sehr schnell. Nach unseren zur Routine gewordenen Tagesabläufen – Baden im Meer, Frühstücken, Radfahren, Baden und Schlafen gehen – waren wir plötzlich in Patras angekommen. Obwohl wir für diese Fähre gleich viel bezahlt hatten wie für die Fähre übers Kaspische Meer, war diese Fähre hier nach Italien schon eine ganz andere Liga. Auf dem Deck gab es zwei Swimmingpools und ein Restaurant – also nicht zu vergleichen mit unserer ersten Fährenerfahrung.Wir haben die günstigste Variante gewählt und schliefen auf dem Deck des Schiffes auf Strandliegestühlen ohne Dach über dem Kopf. Daher war es nachts empfindlich kalt und der Wind pfiff uns gewaltig um die Ohren. Aber auch das war schnell vergessen, denn nach knapp 2 Nächten gingen wir in Venedig an Land, und nun sollte der letzte Teil unserer Reise anbrechen.

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