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China

jjjjjjNach einem langen Vormittag am Sattel erreichten wir die vietnamesische Grenzstadt Lao Cai. Es war der 28.März – wir waren nun auf den Tag genau 6 Monate unterwegs. Von Bekannten und anderen Reisenden haben wir viele unterschiedliche Dinge bezüglich der Einreise in China gehört: Es sollen sehr strenge Einreisebedingungen herrschen, auch die Mitnahme des Reiseequipments (allem voran der Campingkocher, des Küchenmesser usw.) könnte zu einem Problem werden. Die Spannung stieg daher immer mehr an – doch zur Feier des Tages gönnten wir uns noch einen letzten Kaffee und Kakao in einem kleinen Lokal vor der Grenze – Nervennahrung 😉 Anschließend schoben wir unsere treuen Drahtesel zum Grenzgebäude. Der Ausreisestempel war schnell im Pass, also ging es gleich weiter zum chinesischen Einreisegebäude. Wir waren angenehm überrascht: Ein junger chinesischer Grenzbeamter versuchte uns mit ein paar Wörtern Englisch durch den Aufnahmeprozess zu lotsen. Nach einer langen Passkontrolle bekamen wir dann den Einreisestempel – erleichtertes Aufatmen – und wurden dann zu einem Gepäckscanner gebracht. Wir mussten alle unsere Fahrradtaschen durchleuchten lassen, und zu unserer Überraschung waren die Mitnahme von Campingkocher und Co. kein Problem. Ein netter älterer Grenzbeamter lernte uns in der Zwischenzeit die Wörter „Hallo“ und „Danke“ auf Chinesisch – uns wurde also bei dem Einreiseprozess nicht langweilig. Und ehe wir uns versahen waren wir in China angelangt – endlich! Die Einreise hatte reibungslos funktioniert und wir begaben uns nun in Richtung Zentralasien.

Die Grenzstadt war sehr modern aufgebaut, Kaufhäuser und Schaufenster reihten sich in der Innenstadt aneinander, Hochhäuser und Hotelanlagen gab es ebenfalls in Fülle. Da es schon später Nachmittag war und wir hundemüde vom Radeln am Vormittag waren, beschlossen wir uns ein Hostel für die Nacht zu suchen. Dabei lernten wir gleich die erste Lektion in China: Kaum jemand spricht Englisch. Dank der Verständigung mit Händen und Füßen bekamen wir ein Zimmer und unser vom Regen klatschnasses Zelt konnte Pause machen und vor sich hin trocknen. Am Abend lernten wir Lektion zwei: In chinesische Restaurants gibt es meist einen großen Kühlschrank wo man verschiedene Gemüse-und Fleischsorten auswählen kann. Diese werden dann frisch zubereitet. Da wir kein Chinesisch sprechen konnten, war es immer eine Überraschung, in welcher Form man die ausgewählten Lebensmittel dann serviert bekommt. 😉

In der Nacht fühlte sich Dominik dann krank, wodurch „Krankenpflegerin“ Berni ein auf Dominiks Bedürfisse abgestimmtes Genesungsfrühstück besorgte: Eis am Stiel, Kekse und Coca Cola. Ab Mittag drehte sich der Spieß dann um: Dominik erfreute sich wieder bester Gesundheit und Berni war krank. Wir blieben also noch eine Nacht länger als gedacht.

Unser nächster Stop war Kunming, wohin wir eine Woche lang unterwegs waren. Unser Weg führte uns vorbei an landwirtschaftlich genutzte Felder, Arbeiter auf Pferden beförderten Körbe voll Ananas von den Hängen herunter und das Frühlingswetter sorgte für angenehme Radfahrtemperaturen. Wir campten in alten verlassenen Häusern ohne Dach, in Wäldern, auf Feldern und an Flüssen. Wir lernten am Weg nach Kunming noch Lektion drei: In China hat man nicht einmal am Klo seine Privatsphäre. Manche öffentliche Toiletten sind sehr speziell konzipiert: Bitte stellt euch vor eurem inneren Auge eine lange durchgehende Rinne vor, welche seitlich mit kleinen Trennwänden als „Sichtschutz“ bestückt ist (Türen gibt es nicht). Diese Trennwände sind aber so klein, dass man beim Reingehen drübersehen kann. Man begibt sich in der Toilette dann also in Hockposition und wenn dein Klo-Nachbar vor dir die Spülung drückt, schwimmt sein Geschäft unter dir in der lagen Rinne vorbei, und auch noch bei allen anderen Klo-Besuchern – Prost Mahlzeit!

Einen besonderen Motivationsschub erhielten wir, als wir drei Radfahrer am Weg trafen. Die drei Reisenden sind gebürtig aus Malaysia, haben das letzte Jahr in England gearbeitet und sind von dort aus über Europa nach China geradelt. Sie sind derzeit unterwegs in ihre Heimat Malaysia. Wie immer gab es genug Gesprächsstoff bezüglich Routen, Fahrräder und gute Campingstellen.

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Am Weg nach Kunming konnten wir bei einem Couchsurfer in der Nähe von Mengzi übernachten. Um nach Mengzi zu gelangen mussten wir einen ganzen Tag bergauf fahren, und es wurde zu unserem bisher anstrengendsten Fahrradtag. Die Straße war nicht besonders steil, aber wir waren von den letzten Wochen doch ziemlich ausgepowert. In Vietnam hatten wir in windeseile die Küste hinter uns gelassen und Berni war nach dem Tag im „Krankenstand“ auch noch nicht wirklich fit. Die tolle Gastfreundschaft der Passanten gab uns aber wieder Energie: Wir wurden von einem Lastwagenfahrer mit Wasser beschenkt, auch ein Auto mit Einheimischen stoppte und beschenkte uns mit Schokolade und Obst. Als wir dann am Abend bei unserem Gastgeber von Couchsurfen ankamen wurden wir wieder überrascht: Sein Arbeitgeber liebt es sich international zu vernetzen und hat uns kurzerhand zu einem traditionellen Abendessen in einem schönen Restaurant eingeladen. Es gab „Hot-Pot“ – eine kräftige Hühnersuppe die am Tisch vor sich hin köchelte und mit Pilzen, Gemüse und Fleisch befüllt wurde (im Prinzip wie ein Fondue). Es war ein ausgiebiges Festmahl und wir waren so müde, dass wir nach dem Essen nicht mehr mit in die Stadt wollten um etwas trinken zu gehen, sondern nur noch ins Bett fielen. Durch unseren Gastgeber in Mengzi lernten wir Lektion vier: Sehr viele Reisende arbeiten in China als EnglischlehrerInnen – so auch unser Gastgeber. Er bleibt ein Jahr in China um zu arbeiten, und macht sich nächstes Jahr wieder auf, um weiterzureisen. Für uns hieß es am nächsten Morgen auch „auf zur Weiterreise“. Als Stärkung gingen wir zum Frühstück in eine der vielen Suppenküchen, wo wir Lektion fünf gelernt haben: Die Suppenportionen sind in China meist in Übergrößen. Bei uns würde man den Suppentopf, den man hier pro Person bekommt, am Sonntag für die ganze Familie auf den Tisch stellen. Wir freuten uns daher besonders über Lektion fünf und aßen so gut wie jeden Tag Nudelsuppe 😉 Unsere Mägen freuten sich aber auch über andere Köstlichkeiten, nämlich über gedämpfte Weißmehlweckerl, welche mit verschiedenen Dingen (Nuss/Zuckermischung, Kraut, Gemüse usw.) gefüllt waren – herrlich!

 

Am Weg nach Kunming kamen wir auch in einer großen Stadt vorbei, welche am Qilu-Lake lag. Wir hatten uns auf eine ruhige Nacht am See eingestellt, da auf Maps.me (unserer Offline-Navigationskarte) keine Orte eingezeichnet waren. Dies führt uns zu Lektion sechs: Maps.me ist in China leider nicht besonders zuverlässig, da viele Dinge einfach nicht eingezeichnet sind. Man kann aber auch nicht Google Maps verwenden, da in China viele Apps (wie beispielsweise Whatsapp, Facebook und Google) gesperrt sind. Wir hatten auf unserem Smartphone im Vorhinein eine App (VPN) installiert,damit wir auch auf unsere gewohnten Apps zugreifen konnten. Aber zurück zu unserer Nacht am Qilu-Lake. Dieser See war umkreist von vielen Städten, daher schlugen wir unser Zelt an einem halbwegs ruhigen Plätzchen nahe des Wassers auf. Gleich darauf kamen zwei Fischer auf uns zu, die sich sehr über unsere Anwesenheit freuten. Sie begannen mit uns zu reden, doch sie konnten kein Englisch und wir kein Chinesisch. Wenige Minuten später hatten sie ein paar Bierflaschen kauft und uns jeden eine in die Hand gedrückt. Somit tranken wir gemeinsam mit den Fischern Bier, kochten uns ein Abendessen und betrachteten den Sonnenuntergang. Doch leider war es nicht so idyllisch wie es vielleicht klingt, denn die Fischer waren bereits sturzbetrunken… Sie wollten uns noch unbedingt in eine Karaokebar mitnehmen, doch wir wollten eigentlich nur schlafen. Obwohl wir immer wieder auf unser Zelt deuteten und dass wir nun schlafen gehen wollen, ließen sie nicht locker. Nach längerem Hin- und Hergedeute fuhren die beiden dann doch nachhause und wir konnten auch schlafen gehen.

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Auch am danach folgenden See, dem Fuxian-Lake, campierten wir und hatten die wohl schönsten Schlafplätze unserer bisherigen Reise. Wir fanden sogar eine kleine Höhle direkt am Ufer des Sees. Um dort hinzugelangen muss man aber über eine kleine Felswand hinunterklettern, dementsprechend anstrengend war es, unser ganzes Equipment samt Fahrräder dort hinunterzubefördern. Einen zusätzlichen Schock hatten wir auch, als plötzlich ein Polizeimotorboot unerwartet um die Ecke bog und direkt auf uns zudüste (campen ist am See eigentlich nicht erlaubt). Sie haben uns aber glücklicherweise nicht gesehen. Somit verbrachten wir eine wunderschöne Nacht direkt am See, und von unseren Schlafsäcken aus konnten wir die Lichter der Straßenlaternen betrachten, welche sich im nächtlichen See spiegelten.

In Kunming angekommen verbrachten wir zwei Nächte bei unserer Gastgeberin Vera von Warmshowers. Sie ist aus den Niederlanden und vor einigen Jahren mit dem Fahrrad von Amsterdam bis nach Tokio gefahren. Sie hat sich sofort in die Stadt Kunming verliebt und lebt nun schon seit 2 Jahren hier. Sie hat uns auch in ihre Stammbar namens „Barfly“ mitgenommen, wo wir auf viele europäische und amerikanische Reisende trafen. In Kunming brachen auf mysteriöse Weise vier von Bernis Speichen. Wir konnten alles wieder reparieren, doch um weitere Speichenbrüche zu verhindern wurde Bernis Fahrrad nun zum „Leichtwarentransporter“ erklärt. In ihren Packtaschen sind jetzt nur mehr die Schlafsäcke und das Zelt.

Da wir nur einen Monat in China Zeit hatten, mussten wir eine große Strecke mit dem Zug zurücklegen. Von Kunming aus fuhren wir mit dem Zug nach Chengdu. Unsere Zugtickets hatten wir bereits vorab über trip.com gebucht. Unsere Fahrräder mussten wir aber samt Gepäck an einem anderen Schalter aufgeben. Wieder einmal durchforsteten die Beamten unser gesamtes Gepäck, ebenso wurden die Taschen zusätzlich gescannt. In weiser Voraussicht hatten wir unsere Benzinflasche für den Campingkocher geleert und gereinigt, doch am Schalter erklären sie uns dann, dass wir den Kocher nicht mitmehmen dürfen. Diese Worte glichen einem Drama – wir sind auf unseren Kocher angewiesen und können ihn nicht zurücklassen, außerdem war er sehr teuer und wir würden keinen gleichwertigen Ersatz finden… Den Tränen nahe erklären wir ihnen den Sachverhalt und im Endeffekt ging die Flasche dann doch durch – Glück gehabt!

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In Chengdu legten wir dann unsere Halbzeitpause ein. Der Anstieg nach Mengzi hatte uns gezeigt, dass unsere Muskeln reif waren für eine Pause, aber dieses Mal für eine richtige Pause ohne Sport, da wir so gut wie alle „Fahrradpausentage“ bisher für klettern und wandern genutzt hatten. Daher verbrachten wir 5 Tage in Chengdu und wurden von Warmshowersgastgebern beherbergt. Unsere Gastgeber waren ein Paar aus den USA, Zach und Alize, beide in unserem Alter. Zach ist von Amerika aus aufgebrochen und über Europa nach Asien geradelt. Dabei hat er in Österreich eine mehrwöchige Winterpause zum Snowboarden eingelegt. Seine Freundin Alize ist dann in Asien dazugekommen. Beide arbeiten hier nun für ein Jahr als Englischlehrer um ihr Budget wieder aufzufüllen, bevor sie nach Australien weiterradeln. Zach hat uns besonders von den österreichischen Schnitzelsemmeln und den guten Tiefschneeabfahrten vorgeschwärmt 😉 Sie zeigten uns auch einen chinesischen Markt wo es gebratene Hasen- und Entenköpfe gab, wir verzichteten aber dankend auf diese Köstlichkeit.

Wir nutzten unsere Pausentage, um uns für die kalten Tage am Pamir-Gebirge (welches wir in Tadschikistan befahren wollen) vorzubereiten. Wir kauften uns dünne Daunenjacken und zusätzliches Gewand (viele unserer alten T-Shirts haben wir bereits zerschnitten und als Fahrradketten-Putztücher zweckentfremdet). Die letzte Nacht in Chengdu verbrachten wir in einem Hotelzimmer – die Bedingung war natürlich, dass es ein „All-you-can-eat“ Frühstücksbuffet geben musste. Dies war ein Geschenk von Dominik an Berni, ein Halbzeitgeschenk sozusagen.

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Unsere Zugfahrt von Chengdu nach Urumqui, im Nordwesten von China (Provinz Xinjiang), brachte uns zur siebten, und wie wir finden wichtigsten Lektion: Fahre wenn möglich NIE in einem Sitzwagon für 35 Stunden in einem chinesischen Zug! Die Sitzreihen waren sehr eng und wir hatten große Probleme, eine halbwegs gemütliche Schlafposition zu finden. In der zweiten Nacht im Zug wurde es uns dann zu viel. Wir legten uns mit unseren Campingmatten unter die Sitzreihen, wo wir neben angeknabberten Hühnerknochen, Staub und Gepäck wenigstens ein paar Stunden Schlaf fanden.

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Wir machten uns also von Urumqui zur Grenzstadt Korgas auf und befuhren die neu ausgebaute Seidenstraße. In Xinjiang herrschten besonders hohe Sicherheitsvorkehrungen vor. Es gibt Konflikte zwischen der Regierung und einer dort ansässigen Minderheit, den Uiguren. Wir hörten immer wieder von anderen Reisenden, dass die Regierung diese Menschen in „Umerziehungscamps“ steckt, um sie von ihrer Tradition und Religion loszulösen und zu „bekehren“. Wir vermuten, dass in diesem Gebiet niemand will, dass man im Umland abseits der Hauptstraßen Dinge sieht, die dann an die Öffentlichkeit gelangen könnten. Wir mussten daher immer auf der Hauptstraße bleiben und durften nicht auf Nebenstraßen fahren. Vor und nach jeder Stadt waren hochmoderne Polizeiposten, teilweise mit Ganzkörperscanner und der gleichen. Oft mussten wir pro Passkontrolle 20-30 Minuten warten. Auch die Verständigung war nicht einfach. Besonders überrascht waren wir immer dann, wenn uns die Beamten nach einer halbstündigen Kontrolle die Pässe zurückgaben und noch immer glaubten, dass wir aus „Australia“ sind. 😀 Die Polizisten warern aber immer sehr freundlich und wir nutzten die Zeit am Posten, um unsere Wasserflaschen aufzufüllen. Wir wurden oft tageweise mit Polizeiautos eskortiert, sie wollten einfach immer wissen wo wir sind und was wir machen. Wir konnten aber trotzdem immer campen, auch wenn es manchmal der Schacht unter der Straße war, um unentdeckt zu zelten.

 

Einmal wurden wir sogar für 30 km von einem Polizisten mit dem Fahrrad begleitet. Er war in zivil gekleidet, doch sie haben ihn auf seinem Fahrrad Polizeilichter montiert. Da wir schon ein wenig im Zeitstress waren (es hatte lange gedauert, bis unser Begleiter mit seinem Fahrrad fertig war zur Abfahrt) legten wir ein eher sportliches Tempo vor. Der Polizist musste dann nach 8 km eine Pause einlegen und kaufte sich im nächsten Shop mehrere zuckerhältige Getränke. Er fuhr aber trotzdem den gesamten Weg mit uns zur nächsten Polizeikontrollstelle.

Die Tankstellen waren ebenso mit Stacheldrahtzaun abgesichert. Um zu tanken mussten alle Insassen aussteigen und draußen warten, nur der Fahrrer durfte nach einer Fahrzeugkontrolle zum Zapfhahn fahren. Wir bekamen daher auch keinen Sprit für unseren Campingkocher. In Südost-Asien waren die Tankstellen immer unsere Anlaufstelle Nummer 1 gewesen um zu rasten, Wasser aufzufüllen und aufs Klo zu gehen. Nun durften wir die Tankstelle nur mehr von der Weite betrachten. Wir hatten aber trotzdem immer Spaß mit den Kontrollbeamten vor den Tankstellen, welche uns meist unsere Wasserflaschen auffüllten. Sie hatten auch meist heißes Wasser für unsere Nudelsuppen, dafür waren wir sehr dankbar!

Auf unserem Weg nach Korgas trafen wir einen chinesischen Reisenden. Er hat sich ein Gestell gebaut, mit dem er von Ili in das rund 4000 km entfernte Peking wandert – wir sind begeistert! Er durchquert China sozusagen von West nach Ost. Er wird dafür vermutlich 1,5-2 Jahre brauchen. Schlafen kann er in dem kleinen Anhänger den er mitführt.

Was wir schlussendlich von unserer Tour durch Xinjiang mitnehmen ist, dass man als Radreisender in dieser Region gute Nerven haben muss, da man ständig kontrolliert und aufgehalten wird (Pässe und Gepäck). Viele andere Radfahrer berichteten uns, dass sie in dieser Region mit Öffis gefahren sind, um sich diese Umstände zu ersparen. Wir haben diesen Teil Chinas aber sehr schön gefunden: freilaufende Kamelherden neben der Straße, hohe Berge, Seen und das beste – der Übergang in die zentralasiatische Landschaft war sehr eindrücklich und wunderschön. Die Polizisten waren auch immer sehr freundlich zu uns. Das bringt uns zur achten Lektion dieses Eintrags: Beim Radfahren in Xinjiang muss man flexibel sein. Teilweise lassen sie einem nicht radeln, dann muss man alles abpacken und mit dem Polizeibus mitfahren.

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Die letzte Lektion die wir in China gelernt haben ist im Prinzip wie die Klo-Lektion – nämlich, keine Privatsphäre. Bei der Ausreise wuden alle Taschen 2x gescannt, die Passkontrolle dauert gefühlt ewig, und als wir dachten, dass wir nun auf Kasachstan einreisen können, wurden wir ohne Vorwanrnung getrennt voneinander in kleine Bürozimmer geführt. Wir wurden von den Beamten gefilmt, während andere Mitarbeiter erneut alle unsere Taschen leerten und erneut kontrollieren. Ohne zu fragen nahmen sie unser Handy, den Laptop und die Kamera. Jedes Kabel und auch der USB-Stick wurden gecheckt. Sie sahen sich ohne zu fragen unsere Fotos und Videos an, während der ganze Kontrollprozess gefilmt wurde… Echt verrückt! Domi konnte die Mitarbeiter aber geschickt ablenken, so haben wir das Video mit dem radelnden Polizisten mit Rücklicht behalten können. Dies war unser Abschied in China.

 

Wir freun uns schon, bald von unserer Zeit in Kasachstan zu berichten!

Vietnam

„One Coffee and one Cacao please“

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Schon beim Grenzübertritt nach Vietnam, im nordosten von Kambodscha, fühlten wir uns in unserem neuen Radelland pudelwohl. Als wir nach rund 40 km völlig verschwitzt eine erste Pause einlegten, kam ein junger Vietnamese auf uns zugelaufen, um uns auf ein hausgemachtes Eis in seinem Shop einzuladen. Wir freuten uns sehr über die Gastfreundschaft und verbrachten eine fruchtig-süße Eiscremepause neben einem kühlenden Ventilator.

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Obwohl wir es aufgrund des vielen Bergaufradelns nicht für möglich gehalten haben, schafften wir noch am ersten Tag in Vietnam die Ankunft in Pleiku. Wir kontaktierten unseren Gastgeber von Couchsurfen, welcher uns spontan schon einen Tag früher als ausgemacht bei sich und seiner Familie aufnahm. Da wir in Vietnam eine lange Strecke entlang der Küste bis nach China vor uns hatten, wollten wir eigentlich nach einer Nacht in Pleiku wieder weiterdüsen. Eigentlich. Im Endeffekt verbachten wir 3 Nächte bei unseren Gastgebern. Die letzten Wochen hatten uns doch einiges abverlangt – Radfahren in der prallen Sonne, Staub, Hitze und das Bangen um unsere Problemkinder (unsere schon teilweise recht verschlissenen Drahtesel). Wir waren also nach der Ankunft im Hochland von Vietnam froh über ein fixes Dach über den Kopf und eine Dusche – der pure Luxus sozusagen. Unsere Gastgeberfamilie nahm uns mit in lokale Restaurants und Kaffees – mit richtigem, gutem Kaffee (kein Instantkaffee wie in den meisten Ländern zuvor)! Als Dankeschön halfen wir beim Blumengießen und bekochten unsere Gastgeberfamilie mit Semmelknödel, gerösteten Erdäpfel und Spinat. Als Vorspeise gab es Frittatensuppe und zum Abschluss Palatschinken mit Erdbeermarmelade. Tatkräftige Unterstützung erhielten wir beim Palatschinkenkochen vom 7-jährigen Sohn der Familie. Wir sind uns nicht ganz sicher ob ihnen das Essen geschmeckt hat, da wir unser gekochtes Essen am nächsten Tag zum Frühstück wieder bekommen haben (6 Knödel waren noch übrig, und wir hatten schon die Sorge, dass es zu wenig werden könnte 😀 ). Sie hatten nur gemeint „It is difficult to eat“ – Knödel mit Stäbchen zu essen ist tatsächlich eine Herausvorderung 🙂 Nichtsdestotrotz wurden alle satt und wir beide freuten uns über Knödel mit Spinat und Beilagen zum Frühstück. Apropos Freude – besonders großen Spaß hatte der 7-jährige Sohn der Familie in unserem Zelt, welches wir ihm zum Spielen vor dem Haus aufgebaut hatten. Er hat sein neues „zuhause“ gleich mit Kissen und Decke für einen Nachmittag lang bezogen.

Unsere Weiterreise war geprägt von wunderschönen Landschaften, frühlingshaften Wäldern und jede Menge Reisfelder. Nahezu jede erdenkbar freie Fläche wird für die Landwirtschaft genutzt. Nach dem anstrengenden Hochradeln auf die Hochebene von Vietnam bekamen wir die Behlonung, nämlich eine lange Abfahrt Richtung Küste des Landes. Am Weg trafen wir auf eine große vietnamesische Reisegruppe, welche sich über ein Gruppenfoto freute.

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Von der Küste aus sollte es dann auf der Hauptverkehrsachse, der AH1, hinauf Richtung Hanoi gehen. An der Hauptstraße angekommen sahen wir leider noch nicht das Meer, dafür aber zahlreiche Bäckereien, was für uns in diesem Moment bestimmt genauso erfüllend war. Für das leibliche Wohl wird in Vietnam nämlich allemal gesorgt – die Straßen sind gesäumt von kleinen Restaurants, Kaffees und Obst-/Gemüseläden. Wir aßen teilweise jeden Tag 3x Pho (eine traditionelle Nudelsuppe) – zum Frühstück, Mittag- und Abendessen.

Unser nächstes Ziel war vorerst Hoi An, ein ehemals kleines Fischerdorf, welches heute bei Touristen sehr beliebt ist. Wir schlenderten dort durch die kleinen Gassen der Altstadt, betrachteten die vielen nächtlich beleuchteten Boote am Fluss und gingen eine kleine Sightseeing-Runde. Am Abend gingen wir müde Richtung Unterkunft, als uns eine kleine Schneiderei am Straßenrand ins Auge sprang. Wir sahen einen schönen dunkelroten Anzug, ein Ausstellungsstück an einer Kleiderpuppe. Wir scherzten noch darüber, dass Domi dieser Anzug vermutlich nicht passen würde. Wir plauderten mit der charismatischen Schneiderin und wenige Sekunden später steckte Dominik schon in dem roten Ausstellungsanzug – welcher wie angegossen passte. Er konnte dem Angebot nicht widerstehen, also nahmen wir ihn kurzerhand dann doch mit (hätte sich Berni noch ein Ballkleid gekauft, wären wir vermutlich im Ranking zum „schicksten Pärchen auf Rädern“ ganz vorne dabei gewesen 🙂 )

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Am nächsten Morgen wollten wir weiterfahren, doch dann machte unsere Gopro Kamera schlapp. Glücklicherweise gab es in Hoi An einen sehr kompetenten Laden für die Reparatur von technischen Geräten. Da wir die Kamera erst am Folgetag abholen können würden, mussten wir noch eine Nacht bleiben. Dieser Zwischenfall kam Berni jedoch sehr zugute, da sie beim Frühstück irgendetwas erwischt hatte, was ihrem Magen nicht wirklich zu bekommen schien… Am nächsten Tag holten wir die wieder funktionstüchtige Kamera ab und fuhren weiter. Leider schafften wir es nur in das wenige Kilometer entfernte Da Nang, da Bernis Magen noch immer krampfte und eine Toilette in ständiger Reichweite in diesem Fall Gold wert war. Somit wurde eine eintägigen Pause zu einer dreitägigen Pause. Dies wiederum bedeutete für uns ein Tagessoll von mindestens 110 km, um es rechtzeitig in den Norden von Vietnam zu schaffen. Bevor wir nach Hanoi fahren wollten, hatten wir noch 4 Tage zum Klettern auf der Insel Cat Ba geplant. Dies war auch der Grund warum wir doch etwas in Zeitstress gerieten. Daher traten wir besonders fest in die Pedale und strampelten den Berg kurz nach der Stadt Da Nang hoch. An der Spitze des Berges angekommen tummelten sich etliche Touristen. Hier verlief früher die Grenze zwischen Nord- und Südvietnam. Außerdem verläuft hier eine sehr eindrückliche Wetterscheide – Richtung Süden hatten wir einen sonnigen Ausblick auf das Meer, Richtung Norden erblickten wir eine graue Wolkenfront. In einem kleinen Kaffeehüttchen lernten wir zwei Radreisende aus Holland kennen, ein Paar, welches 6 Monate im Jahr auf selbstständiger Basis arbeitet und die anderen 6 Monate des Jahres auf ihren Reiserädern weltweit unterwegs ist. Wir hatten gleich viele Gesprächsthemen, tranken nebenbei Kaffee und genossen die Pause nach dem Aufstieg.

Auf unserem Weg vom Süden in den Norden des Landes lernten wir noch etliche andere RadfahrerInnen aus Frankreich, Australien, Indien und Deutschland kennen.

Als RadfahrerIn muss man aber auf diesen vielbefahrenen Strecken gut aufpassen – Domi half am Weg einen verunglückten Wagen aus dem Straßengraben… Nicht nur vor Autos muss man auf der Hut sein, auch unter uns Radfahrern kann es mal krachen. So wurde Bernis Vordertasche von Domis Fahrradständer aufgespießt – doch mit Kleber und einem Stück Zeltplane wurde alles wieder (hoffentlich!) wasserdicht verschlossen.

Unsere Reise in die nördliche Hälfte des Landes war für uns vor allem kulinarisch ein Highlight: Wir radelten früh morgens los und machten den ersten Einkehrschwung bei einer Bäckerei. Wir holten süße Leckereien und fuhren weiter in ein Kaffee. Für Berni gab es dann einen Kaffee und für Domi Kakao (trotz Zeitmangel war dies unser fixer Bestandteil im Tagesablauf) 😉 Unser Zelt stellten wir abends meist in mitten der Reisfelder auf, wo es manchmal kleine Oasen an Wiesenflächen gab. Auf diesen Wiesenflächen waren häufig Grabsteine zu finden, aber da diese Wiesen meist die einzigen freien Flächen in dem recht dichtbesiedelten Land waren, blieb uns zum Zelten oft keine andere Wahl. Am Abend kamen meist Einheimische vorbei, welche am Reisfeld gearbeitet hatten und uns beim Kochen und Zeltaufbau gesehen hatten. Sie waren immer recht interessiert und freundlich. Wir hatten also durch die Bank immer gute Erfahrungen gemacht und wurden nie von unserem Zeltplatz vertrieben, obwohl Wildcampen in Vietnam eigentlich verboten ist.

Nach etlichen intensiven Tagen am Sattel fuhren wir dann endlich mit der Fähre auf die Insel Cat Ba. Dort angekommen ging es über etliche Hügel in die Innenstadt dieser kleinen Insel. Leider war uns der Wettergott nicht besonders gnädig gestimmt. Wir waren auf vier Tage klettern eingestimmt – doch der Regen lud dann eher zum Kaffee- und Kakaotrinken ein. Trotz der misslichen Wetterlage konnten wir aber dennoch zwei Tage klettern gehen, da einige vorwiegend überhängende Routen trocken waren.

 

Nach unserem Inselausflug ging es dann in die Hauptstadt Hanoi. Wir hatten bereits von Kamboscha aus einige Ersatzteile für unsere Fahrräder in dort ansässige Fahrradläden bestellt. In den letzten Tagen vor der Ankunft in Hanoi machten dann noch weitere Teile unseres Equipments schlapp: Bernis Felgen waren aufgeplatzt, das Bremsseil fast gerissen und der Pufferakku unseres Narbendynamos war auch hinüber. Wir freuten uns daher sehr auf eine Generalsanierung für unsere Fahrräder. Das Team von „Lam Velo“ hat innerhalb von 3 Tagen dann alle Hebel in Bewegung gesetzt, um unsere Räder wieder in Schuss zu bringen – und das mit Erfolg 😉

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Wir konnten in den vier Nächten in Hanoi bei einem Gastgeber von Warmshowers unterkommen. Unser Gastgeber Quynh ist gebürtiger Vietnamese, wuchs aber in Frankreich auf und spricht fließend Französisch. Mittlerweile arbeitet er wieder in Vietnam und fährt jedes Jahr für 1-2 Monate nach Frankreich zum Radfahren. Wir fühlten uns bei ihm also gut aufgehoben und genossen es sehr, mit ihm über seine Reisen und das Leben in Vietnam zu sprechen.

Ausgeruht und mit vollem Tatendrang ging es auf unseren generalsanierten Fahrrädern weiter zur chinesischen Grenze. Zwischendurch wurden wir sogar von einer Herde Entenkinder begleitet (Sie folgten uns auf Schritt und Tritt. Wir vermuten, dass sie uns aufgrund der gelben Taschen für ihre Mütter gehalten haben 😉 ). Es ging weiter über hügeliges Gelände, vorbei an vielen Holzverarbeitungsfabriken und Restaurants.Wir konnten bei manchen Streetfood-Ständen unseren Augen kaum trauen – da gab es neben Hühnchen am Spieß auch Hündchen am Spieß… Naja, Geschmäcker sind eben verschieden. Da waren die vielen Ananas-Straßenstände eher nach unserem Geschmack – und glechzeitig hatten wir Mikrophone für unser Vietnam-Morgenjournal 🙂

Vietnam war rückwirkend betrachtet ein Land des Abschiednehmens – wir nahmen Abschied von vielen Dingen, die uns in den letzten Monaten sehr vertraut wurden. Es gab so gut wie keine buddhistischen Tempel mehr, wir sahen keine buddhistischen Mönche mehr bei ihren Morgenrunden durch die Dörfer und auch das Klima war nun kühler und regnerischer. Dominik hat im Vorbeigehen seine Haare verloren – sehet selbst 😉 Ebenso verlor Domi Luft aus seinem Hinterreifen – er kassierte den dritten „Patschen“ auf unserer Reise. Darüberhinaus haben wir in Vietnam auch etliche Kilos verloren. Dank unserer „Radikaldiät“ wurden wir um ganze 21,5kg leichter – wir haben also so richtig abgespeckt. In Hoi An haben wir ein Paket mit allerhand überflüssigen Dingen nachhause geschickt (Domis neuer Anzug, diverse Ersatzteile usw.). Wir haben auch die Vaseline nachhause geschickt, die uns unser Freund Lechner Christoph bei unserer Abschiedsfeier in weiser Voraussicht geschenkt hatte. Wir waren nun sechs Monate ohne wunde Pos unterwegs gewesen – die Vaseline schien uns also überflüssig. Dachten wir… Wenige Tage nachdem wir das Paket abgeschickt hatten bekamen wir plötzlich Druckstellen von unseren Sätteln – na toll! Doch dank Bernis Hebammentricks waren die Schmerzen bald wie weggeblasen: Pflege des Hinterns mit Öl, viel frische Luft dazu und Windelsorte … äh, Radelhose wechseln. Schon war alles wieder im grünen Bereich! 😉

 

In Hanoi schickten wir dann noch unser Kletterequipment nachhause. Richtung China würde es stark bergauf gehen, daher wollten wir den zusätzlichen Balast noch loswerden. Dies war auch ein Abschied mit schweren Herzens, denn in China würde es tolle Klettergebiete geben. Doch unsere Zeit in China wird sehr begrenzt sein, denn das Land ist riesengroß und unser Visum ist nur für einen Monat gültig. Aber mehr dazu lest ihr dann im nächsten Eintrag! 😉

Kambodscha

Liebe Koga-Bikes – möchtet ihr uns nicht nachhause bringen?

Nach Thailand ging es nun ins Radreiseland Nummer 6 – Kambodscha. Wir hatten ehrlich gesagt eher gemischte Gefühle bei der Einreise, da uns etliche thailändische Bekannte gewarnt haben, dass wir in Kambodscha beim Campen vorsichtiger sein sollten. Auf der Seite des Österreichischen Außenministeriums wird auch vor dem noch immer bestehenden Risiko der Landminen gewarnt – man solle auf keinem Fall auf eigene Faust im Umland abseits der Wege herumlaufen. Wir waren uns also einig: unser Zelt werden wir nur dort aufstellen, wo wir mit keiner Minengefahr zu rechnen haben. Bei der Einreise nach Kambodscha über die Stadt Osmach wurden wir mit einer landschaftlich schönen Aussicht begrüßt. Das Visum erhielten wir ohne Probleme vor Ort an der Grenze. Insbesondere Dominik verliebte sich sofort in das Land – gleich nach der Grenze erhielten wir Baguettes zu kaufen – der perfekte Snack für zwischendurch. Unser nächstes Ziel hieß Siem Reap, wo wir uns mit Dominiks Familie und Freunden treffen wollten. Die beiden Nächte am Weg nach Siem Reap fragten wir bei Tempelanlagen, ob wir hier unser Zelt aufstellen / oder Moskitonetz spannen könnten. Wir wurden trotz sprachlicher Barrieren immer herzlich aufgenommen. Wir stellten ebenfalls fest, dass viele Händler, welche mit ihren Moped-Verkaufsständen durch das Land fahren, ebenso bei Tempel übernachten. Somit verbrachten wir die Nächte  fast immer in Gesellschaft mit Matratzen-, Geschirr- und Blumenhändlern. Manchmal wurden wir auch von den Tempelkatzen und -hunden belagert/bewacht. So kam es auch, dass wir hin und wieder am frühen Morgen aufwachten, und sich die ein oder andere Katze in unser Moskitonetz gekuschelt hatte. Einmal spazierte zu unserer Überraschung ein freilaufendes, groß ausgewachsenes Schwein vorbei (bei den Tempelanlagen gibt es eben allerhand Haustiere).

Vor lauter Vorfreude auf unseren Besuch von zuhause erreichten wir Siem Reap bereits etliche Stunden vor der Ankunft unserer „Gäste“ 🙂 Wie immer ging es zuerst unter die Dusche und danach in frische und saubere Kleidung.  Lange haben wir auf unseren Besuch hingefiebert, endlich war es so weit.  Wir waren wieder mal super nervös und voller Vorfreude. Wir treffen unterwegs zwar immer wieder andere Radfahrer, und auch mit Locals sind wir durch Couchsurfen regelmäßig im Kontakt, aber es ist doch etwas anderes wenn die Familie zu Besuch kommt. Ebenso freuten wir uns schon besonders auf unsere „Essensbestellung“ von zuhause: wir bekamen Milkaschokolade, Knabbernossi und echtes Brot (kein weißes Toastbrot) 😉 Als Gegenzug besorgent wir für unseren Familienbesuch frittierte Bananen (unser Lieblings-Streetfood hier in Kambodscha).

Wir verbrachten gemeinsam drei Tage in Siem Reap , wobei wir die berühmten Tempelanlagen von Angkor Wat besichtigten – ein Weltkulturerbe. Leider sind wir aber erst am späten Vormittag unseres Besichtigungstages aus dem Bett gekommen, da wir am Abend davor etwas zu tief in das ein oder andere Bier- und Cocktailglas geschaut haben… 🙂 Zur Sicherheit wurden daher etliche Plastiksackerl für die Tuktuk-Fahrt eingepackt, man kann ja nie wissen. Uns war allen etwas flau im Magen, aber am Nachmittag waren wir dann wieder halbwegs fit. Ein Teil der Gruppe verbrachte aber trotzdem den Vormittag lieber im Schatten mit den Affen anstatt in den Tempelanlagen – safety first 🙂 Am nächsten Tag ging es dann zu einer Mauntainbike-Tour ins Umland von Siem Reap – sechs schwitzende ÖsterreicherInnen und zwei rasend schnelle Guides. In der heißen Vormittagssonne ging es auf sandigen Wegen durch kleine Dörfer. Einer der Guides schnitt zwischendurch kurzerhand seine lange Hose mit einer Schere ab – gut zu wissen, dass nicht nur uns die glühende Sonne zu schaffen macht 🙂

Nach den drei Tagen in Siem Reap fuhren wir gemeinsam mit dem Bus nach Phnom Penh, die Hauptstadt von Kambodscha. Nach einem kurzen Schockmoment am Weg in die Stadt – der Busfahrer hätte Berni und eine andere Reisende fast am Klo einer Tankstelle vergessen – kamen wir doch noch alle sechs in Phnom Penh an. Am Weg in das Hotel lieferten wir uns einen knallharten Wettkampf aus – Domi und Berni am Fahrrad gegen Georg, Nicole, Max und Philipp im Tuktuk. Die zahlreich überquerten Gehsteigkanten haben sich gelohnt – so wurden wir beide von unseren Besuchern auf ein Gewinnerbier eingelanden 🙂 Besonders genossen wir den Pool am Dach des Hotels und den Pool im Erdgeschoss. Außerdem kam in uns bei den intern veranstalteten „Wett-Tauch-Sessions“ das innere Kind wieder zum Vorschein 😉

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Den letzen Abend unseres gemeinsamen Urlaubs verbrachten wir ganz anders als erwartet – nämlich im Publikum eines Thai-Boxing Wettkampfes. Wir waren allesamt sehr nervös und gespannt, was uns dort erwarten würde. Zu unserer Überraschung waren wir mitten drin in einer landesweiten Live-Übertragung des Kampfes. Thailand gegen Kambodscha stand am Plan, und wir waren fasziniert von den tänzelnden Bewegungen der Boxer (und natürlich von ihrer Schlagfertigkeit).

Schweren Herzens verabschiedeten wir uns nach einem sechstägigen Urlaub von unseren Besuchern. Für uns ging es im Anschluss mit dem Fahrrad weiter nach Kampot, an die Küste des Landes. Leider war der Strand alles andere als einladend – Müll, Algen und wir mussten auch noch „Eintritt“ zahlen. Wir bezogen für vier Tage einen kleinen Bungalow am Prek Tuek Chhou-Fluss, wo das Baden mehr Spaß machte. Apropos Spaß: Der eigentliche Grund warum wir nach Kampot geradelt sind war, dass wir hier wieder ein Klettergebiet zur Verfügung hatten. Wir haben gegen jede Vernunft unser Zusatzgepäck von rund 10kg behalten (50m Seil, Expressschlingen, Karabiner, Gurte usw.), anstatt es wie gedacht unseren Besuchern wieder mit nachhause zu geben. Aber was tut man nicht alles für sein Hobby. Darüber hinaus war das Klettergebiet namens „Climbodia“ sehr sehenswert – klein, aber fein!

Im Anschluss radelten wir wieder in die Hauptstadt Phnom Penh. Dort konnten wir für zwei Nächte bei Gastgebern (Colin und Kathleen) von Warmshowers übernachten. Bernis Fahrradkette machte leider zunehmend Probleme beim Treten – Die Kettenblätter waren schon besonders abgenutzt, ebenso die Ersatzkette. Am dritten Tag verabschiedeten wir uns von unseren Gastgebern und fuhren schon fertig bepackt zur Weiterfahrt bei einem Fahrradshop vorbei. Nach dem Kauf einer neuen Fahrradkette machten wir uns auf, um aus der Stadt hinauszufahren. Plötzlich gab aber Domis Fahrrad den Geist auf – der Freiläufer drehte durch – sprich, das Hinterrad drehte sich nicht mehr mit beim Treten. So standen wir also völlig ratlos und verzweifelt am Straßenrand, bereits etliche Kilometer vom Fahrradshop entfernt. Wir schrieben unserem Gastgeber Colin von Warmshowers, ob er uns erneut für eine Nacht aufnehmen könnte. Glücklicher Weise antwortete er sehr rasch mit „Ja, natürlich“. Somit wurder der Abschleppdienst von und mit Bernadette Wieser ins Leben gerufen: Domi hielt sich den rund 8 km langen Weg zurück zu unserem Gastgeber bei Bernis Fahrrad an. Dank Colins guter Werkzeugausrüstung konnten wir die Kassette des Fahrrads abnehmen. Wir verbrachten den gesamten Nachmittag damit etliche Fahrradshops der Stadt abzuklappern, immer auf der Suche nach einem neuen Freiläufer. Leider konnte uns niemand helfen, wodurch wir am Abend über einer Frust-Pizza das weitere Vorgehen besprachen (Krisensitzung a la grande…). Wir steckten also in der Hauptstadt fest, Domi konnte keinen Meter mit dem Fahrrad fahren und auch Bernis neue Kette ratterte nur so dahin (die neue Kette half leider nichts auf den alten Kettenblättern – es hätte alles ausgetauscht werden müssen). Die gewünschten Ersatzteile waren leider scheinbar nirgends erhältlich. Von vielen anderen Radfahrern wussten wir, dass es erst wieder in Vietnam (Hanoi) große Fahrradshops geben sollte. Wir konnten aber aufgrund des bereits gemachten Vietnamvisums erst in zwei Wochen einreisen. Der Notfallplan lautete daher: Zwei Wochen in Phnom Penh Däumchen drehen und dann mit dem Bus nach Hanoi fahren, da wir nicht radeln konnten. Zum Glück schliefen wir noch eine Nacht darüber und begaben uns am nächsten Morgen erneut auf die Suche. Auf einem Markt fanden wir bei einem sehr kleinen Fahrradladen einen Mann, welcher uns ein altes Hinterrad besorgen konnte. So baute Dominik den Freiläufer eines anderen Fahrrades in sein Hinterrad ein und et voilà – wir waren wieder mobil! Bernis Kette ratterte leider immer noch teilweise durch, aber auf bestimmten Gängen war der Halt noch gut. So fuhren wir nach zwei Tagen Verzögerung doch noch mit dem Fahrrad weiter (bestellten aber trotzdem schon vorab etliche Ersatzteile in einem Fahrradshop in Hanoi, damit wir spätestens dort ein paar abgenutzte Teile austauschen können).

Kambodschas Norden überraschte uns mit einer für uns schöneren Landschaft als im Süden. Leider waren etliche Straßen nicht besonders gut zu befahren, und unsere Nasen waren permanent mit Staub von den Schotterpisten verstopft. Am Abend staunten wir oft nicht schlecht wie viel Staub und Schmutz an unseren Beinen klebte. Nach etlichen Powertagen am Rad ohne Pause erreichten wir dann schlussendlich doch noch die Grenze zu Vietnam – alles „in time“. Wir waren sehr erleichtert, dass unsere Fahrräder so tapfer dabei waren und kaum Probleme machten. In diesem Sinne hieß es – auf nach Vietnam!

Thailand 2.0

Lazy days in Thailand

6

Am Vormittag noch am Felsen mitten in einer Kletterroute, am Nachmittag wieder in der prallen Sonne im Sattel – so gestaltete sich unser Abschied von Laos. Nach fast einer Woche „Kletterurlaub“ hieß es nun wieder radeln, schwitzen, noch mehr schwitzen und Schlafplätze suchen.Unsere erneute Einreise nach Thailand gestaltete sich einfach und reibungslos – Stempel in den Pass und fertig. Da es schon zu dämmern begann, fragten wir in alter Manier bei einem Tempel nach, ob wir unser Zelt am Gelände aufstellen könnten. Ein Einheimischer verwies uns auf einen Campingplatz, welcher laut ihm gleich in der Nähe sein sollte. Eine ganze Kinderbande eskortierte uns auf ihren Fahrrädern zum vermeintlichen Zeltplatz. Als die Kinder uns auf einem Stück Wiesenfläche am Flussufer des Mekong absetzten, bestätigte sich unser Verdacht, dass es sich doch nicht um einen offiziellen Campingplatz handelte. Nichts desto Trotz fühlten wir uns dort am Fluss gleich wohl – für die figurbewussten Thailänder gab es dort eine Reihe von Fitnessgeräten, die man kostenlos benutzen konnte (wenn uns auch der Nutzen – oder die Handhabung – bei einigen der Geräten nicht ersichtlich war). Als wir uns auf den Rasen setztn und zu kochen begannen, waren wir in kürzester Zeit umringt von einer Schar Kinder, Sportgerätebenutzern und vorbeifahrenden Radfahrern. Der Blickfang war wie immer unser kleiner Campingkocher. Somit fühlten wir uns wie die TV-Köche Andi und Alex, umringt von faszinierten Zusehern unseres Abendessen-Kochprogramms. Als es dunkel wurde legten wir lediglich die Schalfmatten zwischen unsere Fahrräder und spannten das Moskitonetz über uns und die Räder – somit hatten wir ein luftiges Tausend-Sterne-Himmelbett im Freien. Der einzige Besucher in dieser Nacht war ein einsamer – aber friedlicher – Straßenhund.

Thailand stellt ein wahres Paradies für Radfahrer dar – die Straßen sind fast durchgehen in einem guten Zustand (auch die kleinen Nebenstaßen! 😉 ) und man kommt mit Englisch (und manchmal Händen und Füßen) gut durch. Da wir bis zu unserer Einreise nach Kambodscha noch relativ viel Zeit hatten, die Grenze jedoch nicht mehr allzuweit entfernt lag, gestalteten sich unsere Tage im Osten des Landes sehr gemütlich: wir fuhren jeden Tag rund 60 km, machten eine große Mittagspause mit Kochen und Verdauungsschläfchen und hatten obendrein noch genug Zeit, um schöne Schlafplätze zu suchen. Wir peilten am späten Nachmittag meist Seen an, um dort unser Nachtlager aufzuschlagen. Einmal wurden wir besonders vom Glück geküsst: Am Nong Han Lake (nahe der Stadt Sakon Nakhon) fanden wir unsere „eigene“ menschenleere Insel, auf der sich ein kleiner offener Bungalow befand. Diese Insel erreichten wir über einen rund 1 km langen Steg. Anfangs waren wir skeptisch, ob wir dort überhaupt einen Schlafplatz finden könnten, da auf unserer Karte nichts eingezeichnet war. Gott sei Dank haben wir es aber auf gut Glück probiert! Auf dieser Insel haben wir eine Nacht im Moskitonetz zwischen unseren Fahrrädern verbracht – inklusive wunderschönem Sonnenaufgang vom Bett aus. 🙂 Da leider kein Steg in den See hineinreichte, mussten wir einen anderen kreativen Weg finden, um Wasser zu schöpfen. Dank Dominiks Gelenkigkeit wurde auch dieses Problem gelöst – sehet selbst 😉

Unser Weg führte uns durch eine schönen, herbstlich aussehenden Nationalpark. Das rund 8-10 kg schwere Zusatzgewicht machte sich bei der hügeligen Landschaft aber gleich bemerkbar. Seit Laos haben wir ein 50 Meter langes Kletterseit, Kletterschuhe, Gurte, Karabiner, Expressschlingen und Bandschlingen dabei – unsere gesamte Kletterausrüstung eben. Aber was tut man nicht alles für sein Hobby 😉 Der 5 kg schwere Reissack, den wir im Supermarkt gekauft haben, hat unsere Gewichtssituation bestimmt auch nicht verbessert (aber wer kann bei Mengenrabatt schon wiederstehen?).

Dankenswerterweise fanden wir in Thailand auch immer wieder einen Zeltplatz bei Tempelanlagen. Die vielen Hunde der Mönche fanden uns als Besucher immer sehr interessant – vor allem die verspielten Welpen. Manchmal mussten wir sehr kreativ werden, um uns die Hunde beim Kochen vom Leibe zu halten (Mit Spielstöckchen eine Runde zur Sitting-Buddha-Statue laufen usw. 🙂 ) MERKE: Lass niemals deine Schuhe über Nacht vor dem Tempel stehen! Die 8! Hunde eines Tempels haben Bernis Sandalen zum Spielen geklaut und irgendwo am Gelände versteckt. So wurden die teilweise zerkauten Schuhe erst nach einer Stunde des Suchens am frühen Morgen wieder gefunden…

Zwischendurch feierten wir auch Bernis Geburtstag. Ihr einziger Wunsch war es, guten Kaffee zu trinken – gesagt, getan. Wir planten unseren Tag so, dass wir am Nachmittag eine Tankstellenraststätte namens „Cafe Amazon“ erreichen würden. In der Früh nach dem Aufstehen gab es Instantkaffee frisch zubereitet auf unserem Campingkocher, am Vormittag dann Kaffee aus der Dose bei einem Shop und am Nachmittag zur Krönung einen Kaffee bei „Cafe Amazon“. Der Tag gestaltete sich sehr schön – nur konnten wir am Abend aufgrund der Koffeinüberdosis nicht einschlafen :-).

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Nach fast zwei Wochen durchgehendem Radeln kamen wir in Sangkha, ein Ort in der Nähe der kambodschanischen Grenze, an. Dort verabredeten wir uns mit einer Gastgeberin von Warmshowers (eine Plattform, wo Fahrradfahrer eine Couch/Unterkunft gratis zur Verfügung stellen – ähnlich wie Couchsurfen). Da unsere Gastgeberin selber nicht zuhause war, wurden wir von ihrer Mutter, Freundinnen und ihrem Bruder in Empfang genommen. Wir waren wieder einmal von der Gastfreundschaft dieser Plattformbenutzer und Benutzerinnen begeistert: Wir hatten ein eigenes kleines Gartenhaus für 3 Nächte inklusive Klimaanlage – der pure Luxus für uns. Die Freundinnen unserer Gastgeberin nahmen uns zu Ausflügen mit und wir wurden vom Fahrradclub dieses Ortes zum Essen eingeladen. Als Berni am vorletzten Tag Fieber bekam, lud uns die Mutter unserer Gastgeberin ein, noch einen Tag oder länger zu bleiben. So verbrachten wir 4 Nächte im gemütlichen Gartenhaus. Das Fieber wurde in zwei Nächten vollständig „rausgeschwitzt“ und wir waren bereit zur Weiterreise. Zum Abschied radelten wir mit „Superman“ und „Spiderman“ (zwei Mitglieder des Fahrradclubs) gemeinsam ein Stück unseres Weges. Als Proviant bekamen wir noch zwei Säckchen frische Bananenmuffins mit (welche leider bereits nach wenigen Minuten vollständig verspeist waren… 🙂 ).

Unser letzter Stop in Thailand war bei Siraporn, ebenfalls eine thailändische Gastgeberin von Warmshowers. Seit einem Unfall in ihrer Kindheit ist sie auf einem Auge blind und auf einem Ohr taub. All das hat sie aber nicht davon abgehalten, die ganze Welt zu bereisen. Sie ist jetzt 59 Jahre alt, ihre Kinder sind erwachsen und sie lebt ihren Traum – Radreisen. Vor 10 Jahren hat sie ihr Haus und ihr Auto verkauft, hatte Geld gespart indem sie teilweise 3 Jobs gleichzeitig hatte und fährt seither auf der ganzen Welt mit ihrem Reisefahrrad. Die kleine „Hütte“, wie sie ihre Unterkunft in Thailand nennt, besteht nur aus einem Schlafzimmer, einem Bad und einer kleinen Küche, welche sie auch für Warmshowersgäste zur Verfügung stellt. Wir lernten in den 2 Tagen bei ihr auch den 83-jährigen Jürgen aus Deutschland kennen. Die beiden haben sich bei einer von Siraporns Radreisen in Deutschland kennengelernt und sind nun sehr gute Freunde. Mit leuchtenden Augen erzählte uns Jürgen, dass er nie geglaubt hätte, in diesem Alter nochmal solche Abenteuer zu erleben. Vor wenigen Jahren hat er Sira kennengelernt und ist seither öfters mit ihr auf Reisen. Da er nicht mehr alles mit dem Fahrrad fahren kann, begleitet er sie Abschnittsweise mit seinem Campingbus.

Am 31.1. radelten wir voller Vorfreude (und in Begleitung von Sirapon) zur kambodschanischen Grenze. Bald schon werden wir dort Dominiks Familie treffen. Mehr dazu aber erst im nächsten Eintrag 😉

Laos

Zwei Wasserratten gehen an Land

Nach unserer abenteuerlichen Woche am Mekong, dem Verkauf unseres geliebten Fischerbootes namens „Mary Poppins“ (dieses Holzboot hat uns eben auf dem Fluss so gut behütet wie ein Kindermädchen 😉 ) und den festlichen Weihnachtstagen mit Bernis Familie in Luang Prabang, ging es wieder mit den Fahrrädern weiter. Auch der erste kaputte Fahrradschlauch wurde vor der Weiterreise feinsäuberlich geklebt (eine Prämiere für Berni, welche noch nie zuvor einen „Patschen gebickt“ hatte). Das nach der Abreise unserer lieben Familie aufkommende Heimweh konnten wir nach einer Weile gut überspielen, da wir nun nicht mehr zu zweit, sondern zu dritt mit den Fahrrädern unterwegs waren. An unserem letzten Abend in Luang Prabang (Laos) trafen wir uns mit Naill, einem vierundzwanzigjährigen Radreisenden aus Irland, welchen wir in Myanmar kennengelernt hatten. Wir hatten mit Naill damals in Myanmar nur rund 10 Minuten am Straßenrand geplaudert bevor er weiterfuhr. Durch den Austausch unserer Handynummern blieben wir aber im Kontakt – mit der Hoffnung, in Laos dann ein paar gemeinsame Tage zu radeln. Erst am Abend vor der Weiterreise bemerkten wir, dass Naill eigentlich geplant hatte Richtung Norden weiterzufahren, und wir beide eigentlich nach Süden fahren wollten. Wir mussten alle drei herzhaft lachen – immerhin waren wir bereits seit Wochen im Kontakt wegen der gemeinsamen Weitterreise ab Lung Prabang, hatten jedoch nie darüber gesprochen, welche Route am Programm stehen würde. Da wir beide schon eine Reservierung für den Campingplatz „Green Climbers Home“ in Thakhek hatten und Naill sehr flexibel war, radelten wir in den Süden des Landes. Naill freute sich sehr darüber endlich wieder einmal zu Zelten, da er als Alleinreisender fast ausschließlich in Guesthouses schlief. Für die erste Nacht als Radfahrergruppe suchten wir uns einen schönen Zeltplatz an einem Fluss. Als wir uns bereits zum Schlafen hingelegt hatten bekamen wir Besuch von der Polizei. Die Polizisten wollten uns dazu überreden, in einem Hotel zu nächtigen. Dank unserer Überredenskünste konnten wir nach einer halbstündigen Passkontrolle und etlichen Telefonaten mit dem Headofficer in unseren Zelten bleiben.

Die gemeinsame Radeltour führte uns weiter Richtung Vang Vieng. Berni ging es leider zusehends schlechter – schon am letzten Abend in Luang Prabang fühlte sie sich schon etwas erkältet und krank. Nach zwei Tagen am Fahrrad ging es dann auch Dominik ähnlich – Kraftlosigkeit, Erkältungssymptome und Fieber. Naill fühlte sich weiterhin gesund, hatte aber auch nichts gegen eine kleine Pause in der Stadt Vang Vieng einzuwenden. So verbrachten wir zwei Nächte in einem kleinen Guesthouse, wobei wir streng das Bett hüteten und nichts taten außer essen und schlafen. Am 31. Dezember waren wir wieder fit und bereit zur Weiterreise. Naill traf ein paar Freunde, welche er unterwegs kennengelernt hatte, und entschied sich spontan noch eine Nacht in Vang Vieng zu bleiben. So verbrachten wir beide den Jahreswechsel zu zweit außerhalb der Stadt in einem kleinen Ort. Für den Silvesterabend schlugen wir unser Zelt vor einer Schule auf, kochten ein festliches Campingkocher-Menü (Fladenbrote mir Knoblauch, Gemüsereis und Kartoffelchips) und tranken ein Bier. Zuvor fragten wir natürlich, ob wir hier zelten dürften. Am Schulgelände war nichts los, nur eine Gruppe von Leuten, welche reichlich Bier tranken und zu laotischen Liedern karaoke sangen (ein sehr lautes, aber lustiges Abendprogramm für uns Zuhörer 🙂 ). Wir gingen jedoch zeitig schlafen und bekamen den Jahreswechsel kaum mit.

Die nächsten Tage fuhren wir gemütlich weiter. Am 4.1. feierten wir Dominiks Geburtstag – welcher den ganzen Tag (und weil er so lieb gefragt hat auch schon am Tag davor) immer aussuchen durfte was es zu essen gab (und wie es unsere langjährige Tradition verlangt, auch sonst bestimmen durfte, was wir an dem Tag unternahmen). Aufgrund unserer Resvervierung am Campingplatz in Thakhek mussten wir aber jeden Tag ohne Pause weiterfahren, um rechtzeitig anzukommen. Dadurch, dass sich Naill leider einmal verfahren hatte und dann auch noch krank wurde, stieß er leider erst einige Tage später wieder zu uns dazu, um gemeinsam weiterzufahren. Landschaftlich gefiel und Laos zum Radfahren sehr gut – etliche Flüsse und Berge verschönerten den Ausblick beim Radeln. Gemeinsam mit Naill verbrachten wir noch eine letzte Nacht in einem Tempel, bevor er sich Richtung Vietnam aufmachte, und wir beide weiter in den Süden von Laos düsten. Da Naill einen besonders lustigen großen Helm hatte (mit dem er aussah wie ein Pilz), nannten wir unsere Fahrradbande „Mushroom Heads“. Der Vereinsname wurde dann noch ausgebaut zu „Mushroom Heads Dirt Bikes“, da unsere Fahrräder vom vielen Straßenstaub richtig schmutzig waren. Leider gaben unterwegs Bernis Schaltseile den Geist auf – Dank Dominiks handwerkliches Geschick wurden diese aber ratz-fatz repariert.

Die Vorfreude auf Thakhek war bei uns beiden schon unendlich groß. Dank unserem Weihnachtsbesuch (Magi, Markus, Stephan) hatten wir unsere gesamte Kletterausrüstung nun dabei (Fluch und Segen zugleich – Seil und Co. hatten doch einiges an Zusatzgewicht, unser Budget konnten wir aber durch die entfallene Ausleihgebühr für das Equipment entlasten). Unterwegs nach Thakhek lernten wir einen älteren Herrn aus Kanada kennen, welcher mit seinem Klapp-Fahrrad mit selbst eingebauten Motor durch Südostasien düste – wahrlich beeindruckend. Die Nacht vor unserer Ankunft am Kletter-Campingplatz „Green Climbers Home“ verbrachten wir in einer kleinen leerstehenden und an allen Seiten offenen Holzhütte, welche es in diesen Ländern zahlreich gibt (sie werden meist unter Tags genutzt, um bei der Arbeit am Feld als schattenspendende Pausenplätze zu dienen). Wir spannten lediglich unser Moskitonetz in dieser kleinen Hütte und hatten somit ein wahrliches Freilufthimmelbett.

Am Campingplatz des „Green Climbers Home“ angekommen schulgen wir unser Zelt für die nächsten 7 Nächte auf. Wir bauten sogar unsere eigene kleine Küche unter unserem Moskitonetz auf (trotz Kochen konnten wir es uns aber nicht verkneifen jeden Abend einen Pancake mit Schokolade zu bestellen – so viel Luxus musste dann schon sein nach dem Klettern 😉 ). Besonders freuten wir uns auf erneuten Besuch von zuhause: zwei sehr gute Freunde (Marie und Roland) machten einen Abstecher auf ihrer Südostasienreise nach Thakhek zum Klettern :-)Im Klettercamp trafen wir auf Radreisende, welche uns sehr inspirierten: Ein belgisches Paar hatte sich für 3 Monate mit ihren beiden Kindern (4 und 6 Jahre) mit den Reisefahrrädern aufgemacht, um Thailand, Laos und Kambodscha zu erkunden. Die Fahrräder hatten eigene Sitze für die zwei Kinder und das Gepäck betrug pro Person fast 100 kg. Wir beide waren sprachlos – immerhin jammerten wir mit unserem vergleichsweise leichten Gepäck beim Bergauffahren schon was das Zeug hielt. Das belgische Paar hatte bereits eltiche Fahrradreisen gemeinsam unternommen (vor allem in Südamerika), dies war jedoch die erste Radreise mit den Kindern. Wir bewundern diese Familie sehr für ihr Durchhaltevermögen und den Mut, so eine abendteuerliche Reise mit ihren Kindern zu unternehmen.

Die Woche im Klettercamp verging gefühlt zu schnell für uns (kaum geht man 2x auf das selbe Klo, schon fühlt man sich wie zuhause und möchte am liebsten bleiben 🙂 ). Jeden Tag besuchten wir zahlreiche Felsabschnitte mit den verschiedensten Schwierigkeitsgraden, plauderten mit anderen Kletterern und reparierten zwischendurch unserer Fahrräder. Ein besonderes Highlight war eine Mehrseillängenklettertour, bei der wir in der Dunkelheit vor Sonnenaufgang mit unseren Stirnlampen in die Felswand einstiegen. Solche Touren hatten wir schon vermisst! Aber wie es so schön heißt „all good things come to an end“ – also bestiegen wir am 15.1.2018 wieder unsere Fahrräder und machten uns nach Thailand auf. Wir freuen uns schon sehr in rund zwei Wochen Besuch von Dominiks Familie in Kambodscha zu bekommen! 🙂

 

Thailand und Mekong

Nach einer letzten schweißtreibenden und gebirgigen Fahrt von Myanmar zur thailändischen Grenze, bekamen wir rasch und unkompliziert unser Visum in der Stadt Myawaddy. In den frühen Abendstunden erreichten wir dann die thailändische Stadt Mae Sot, wo wir uns mit unserer Gastgeberfamilie von Couchsurfing trafen. Wir staunten nicht schlecht, als wir ein eigenes Haus nur für uns zur Verfügung gestellt bekamen. Die dort ansässige Familie baut Reihenhäuser und verkauft diese anschließend. Da ein Haus gerade frei stand, konnten wir für drei Nächte dort bleiben. Wir verbrachten die freien Tage mit der Reparatur unserer Fahrräder und bewegten uns so wenig wie nur möglich (dies gelang uns auch recht gut, da uns unsere Gastgeber ein kleines Moped zur Verfügung stellten – jetzt konnten wir auch zum Einkaufen mit motorisierter Hilfe fahren 🙂 ). Anschließend stattelten wir wieder unsere geliebten Fahrräder und radelten über den nächsten Berg nach Tak. Da wir zu Weihnachten in Luang Prabang (Laos) sein wollten, stellten wir uns mit unserer gesamten Ausrüstung an den Straßenrand und hielten den Daumen zum Autostoppen hinaus. Unser Versuch glückte nach wenigen Minuten und schon waren wir mit samt unseren Fahrrädern auf der Ladefläche eines Pick-Ups verstaut. Beim zweiten Versuch zu hitch-hiken wurden wir wieder von einem Pick-Up mitgenommen. Der Fahrer spannte kurzerhand zwei Hängematten auf seiner hinteren Ladefläche, wodurch wir beide kuschelig und gemütlich die Fahrt genießen konnten. Da der Fahrer kaum englisch sprechen konnte, sagten wir einfach den Ort „Chiang Rai“, welchen wir erreichen wollten. Nach etlichen Kilometern am Highway bemerkten wir, dass der Fahrer nicht mehr Richtung Chiang Rai fuhr, sondern auf eine Nebenstraße abgebogen war. Wir verfolgten die Route aufmerksam auf unserem Handy via MapsMe. Da wir beide aber so gemütlich in den Hängematten dahindösten, beschlossen wir, nichts zu sagen und einfach so lange mitzufahren, bis uns der Fahrer sagen würde dass wir aussteigen sollen. Wir merkten bereits, dass er Richtung Chiang Mai unterwegs war und dachten bei uns, dass es vermutlich ein Kommunikationsproblem war. So kamen wir am frühen Abend in Chiang Mai statt in Ciang Rai an, was uns aber auch nicht störte. Wir konnten noch „last minute“ eine Chouchsurferin finden, welche uns bei sich aufnahm. Sie war OP-Assistenz im öffentlichen Krankenhaus. Sie kam sogar extra gegen 20 Uhr kurz nachhause, um uns zwei in ihr Haus zu lassen, bevor sie wieder in ihre 16-Stunden-Schicht zurückkehrte. In Chiang Mai genossen wir ein paar Spritztouren mit unseren unbepackten Fahrrädern, aßen vielerlei thailändische Köstlichkeiten und freuten uns über die große Auswahl an Produkten in den Supermärkten. 🙂

Nach Chiang Rai nahm uns dann ein großer, mit Steinen beladener Truck mit, welcher uns bis zur Stadtgrenze brachte. Voller Vorfreude endlich wieder mit unseren Fahrrädern unterwegs zu sein, brachen wir Richtung Laos auf. Die Haupt- und Nebenstraßen waren allesamt in einem top Zustand, und auch landschaftlich waren wir von Thailand als Reiseland für Radfahrer begeistert. Wir radelten durch kleine Dörfer, passierten schöne Seen und sahen eine Vielzahl von Reisfeldern. Wie gewohnt konnten wir bei Tempelanlagen nächtigen. Einmal schliefen wir nur unter unserem Moskitonetz, welches wir zwischen unseren beiden Fahrrädern spannten. Ein anderes Mal konnten wir es kaum glauben, da ein Mönch uns einen Schlafplatz unter einem riesigen „Sitting Buddha“ anbot. Vor dieser großen, vergoldeten Statue befand sich ein See, in dem wir in der Nachmittagssonne baden gingen. Wir waren uns beide einig – ein Hotelzimmer kann hier auf keinem Fall mithalten, auch wenn wir wie immer auf unseren harten Unterlegsmatten schliefen. Aber diese Aussicht auf den See und die Buddhastatue war einfach atemberaubend schön.

Nach dieser bezaubernden letzten Nacht radelten wir zur laotischen Grenze. Dort angekommen lernten wir den deutschen Radfahrer Dirk und seinen Kumpel Scott aus Amerika kennen. Wie es unter Radreisenden so üblich ist, verbrachten wir einige Stunden mit dem Austausch an Reiseinformationen zu den Themen Essen, Schlafen und Straßenverhältnisse. Auch die Fahrräder wurden genau inspiziert. Scott erzählte von seinen Reisegeschichten und merkte an, dass das interessante an den Radreisen ist, dass man am frühen Morgen nie weiß, wo man am Abend landen wird. An diesen Ausspruch mussten wir noch oft zurückdenken, insbesondere an diesem einen Tag.

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Als wir am späten Nachmittag mittels „Visa on Arrival“ in Laos einreisten, war unser eigentlicher Plan zeitig einen Zeltplatz zu finden. Wir gingen in ein kleines Restaurant am Hafen des Mekongs, um noch einen Happen zu essen. Unsere Blicke wanderten immer wieder am Ufer dieses großen Flusses entlang, wo wir etliche Fischerboote entdeckten. Beim Essen scherzten wir noch wie schön es wäre, den Mekong auf eigene Faust mit einem Fischerboot hinunterzufahren. Als wir nach dem Essen aufbrachen, um in der beginnenden Dämmerung nach einem Zeltplatz zu suchen machte Dominiks Hinterreifen schlapp – nach rund 3500 km am Fahrrad hatten wir den ersten Platten unserer Reise. Wir standen nun etwas planlos am Straßenrand. Dominik ergriff spontan die Initiative und ging zum Fluss hinab, um ein paar Fischer nach einem Boot zu fragen. Bereits beim zweiten Versuch kam Dominik mit läuchtenden Augen zur Straße herauf und berichtete, dass wir nun Besitzer eines 11 Meter langen hölzernen Fischerbootes seien. Da es schon sehr spät am Abend war, gingen wir zur Übernachtung in ein kleines Guesthouse (da wir ohnehin mit dem platten Reifen keinen Zeltplatz mehr suchen konnten). Nach dem anfänglichen Hoch der Gefühle plagten uns diese Nacht aber etliche Zweifel: Wir konnten am Markt keine Schwimmwesten zum Kaufen finden und wir wussten nicht ob wir die 300 Flusskilometer von Bokeo nach Luang Prabang in 6 Tagen schaffen würden (ein Teil Bernis Familie würde uns dort am 23.12. zu Weihnachten erwarten). Als wir an diesem Abend Essensvorräte für die nächsten Tage einkauften, kamen wir mit einem Einheimischen ins Gespräch. Er erzählte von einer Freundin, welche diese Strecke mit dem Boot in 11 Tagen zurückgelegt hatte. Wir waren sprachlos – so viel Zeit hatten wir bei Weitem nicht. Er meinte, mit unserem langen Holzboot würden wir vermutlich 8 Tage brauchen.  Die Fischer am Hafen versicherten uns aber, dass wir es bestimmt in 5 Tagen schaffen können. Wir dachten bei uns, sollten wir es nicht schaffen, müssen wir in Pakbeng (ein Ort am Mekong, welcher ein Zwischenstopp für Touristenboote ist), auf ein sogenanntes Slow Boat (Touristenboot) umsteigen. Nach einer Nacht mit gemischen Gefühlen bezahlten wir am frühen Morgen für unser Fischerboot und bekamen von unserem Verkäufer noch ein Frühstück spendiert. Wir packten unser Gepäck und die Fahrräder in unser Boot und schipperten gegen 8 Uhr morgens los.

Wir waren sofort Feuer und Flamme für diesen Bootstrip. Die Strömung am Mekong war fast duchgehend sehr gut und wir merkten bald, dass sich unser Ziel Luang Prabang in der von uns gewünschten Zeit ausgehen würde. Wir schafften jeden Tag rund 60-65 Flusskilometer. Unser Tag am Wasser begann stets um kurz vor 6 Uhr. In der Dunkelheit bauten wir unser Zelt ab und kochten eine Gemüsesuppe zum Frühstück. Anschließend verbrachten wir den ganzen Tag im Boot und aßen tagsüber nur Bananen, Schokokekse und tranken Sojamilch dazu. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit gingen wir wieder an Land, um unser Zelt aufzustellen. Wir hatten entlang des Mekongs die schönsten Zeltplätze unserer Reise: weiße Sandbänke soweit das Auge reicht! Nachdem wir das Zelt aufgestellt hatten kochten wir uns einen Gemüsereis und gingen zeitig schlafen. Wir fühlten uns diese 5 Tage am Wasser wie im Paradies. Doch wir wüden eine eigenständige Bootsfahrt am Mekong nur mit Wildwassererfahrung empfehlen. Es gibt zahlreiche Verwirbelungen, Strömungswechsel und Strudel, welche täglich unsere ganze Konzentration und Muskelkraft forderten. Besonders schwierig gestalteten sich jene Stellen, bei denen Felsblöcke mitten im Fluss waren und sogenannte Speedbote (besonderes schnelle Motorbote) neben uns vorbeizischten. In Kombination mit Strömungswechsel gestalteten sich diese Stellen als sehr vordernd. Doch dank Dominiks Know-how als Raftguide und Bernis Oberarmkraft konnten wir diese Stellen trotzdem gut meistern. Zur Belohnung gab es aber immer auch sehr ruhige Stellen zum Ausruhen und Landschaft bewundern. Unsere Fahrräder hielten den Strapazen am Wasser auch gut stand und da wir schon voller weihnachtlicher Vorfreude waren, trällerten wir jeden Tag zahlreiche Weihnachtslieder.

Am 22.12. erreichten wir am Nachmittag pünktlich einen Tag vor Ankunft unseres Besuches Luang Prabang. Wir versuchten gleich unser Boot zu verkaufen, doch da wir keine zufriedenstellenden Angebote erhielten, gingen wir zu unserem Guesthouse und verstauten unsere Fahrräder. Am frühen Morgen des nächsten Tages gingen wir wieder zum Hafen und fanden einen Käufer für unser Boot. Wir waren sehr erleichtert, alles vor der Ankunft unserer Familie erledigt zu haben. Wir tanzten zu Weihnachtsmusik im Zimmer auf und ab und begannen, auf unserem Campingkocher einen Kuchen zu backen (ein Überraschungsgeschenk für Bernis Familie). Auch unser Fahrradequipment erhielt eine Weihnachtsgeneralsanierung.

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Wir verbrachten anschließend drei wunderschöne Weihnachtstage mit Magdalena, Stephan und Markus in Luang Prabang. So tropische Weihnachten mit Ausflügen zu Wasserfällen und Tempelanlagen hatten wir Fünf noch nie. Der Abschied viel uns besonders schwer, doch wir sind nun auch wieder voller Energie, um mit dem Fahrrad Laos zu erkunden.

 

 

Myanmar

Tempelrallye 1.0

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Nach unserer letzten Nacht bei einer Polizeistation in Moreh (Indien) kamen wir in Myanamr an. In der ersten großen Stadt nach dem Grenzübertritt besorgten wir uns gleich wieder alle für uns wichtigen Dinge – allem voran wurde ausgekundschaftet, welche Leckereien die Märkte hier für uns bereithalten würden. Unser Blutzuckerspiegel würde auch in Myanmar nicht sinken – gleich nach den ersten Metern fanden wir Shops mit allerlei verschiedenen Kuchen und Stände mit frittierten Teigstangen. Was uns an der Küche des Landes besonders gut gefiel: In jedem Lokal stand eine Kanne Tee am Tisch und man konnte sich immer frei bedienen. Das Angebot an Gemüsegerichten war sehr groß, dieses mal auch für unsere nicht an Schärfe gewöhnten Gaumen verträglich zubereitete Speisen – Herrlich!

Am ersten Abend fuhren wir zur Schlafplatzsuche in gewohnter Manier zu einer Polizeistation. In Indien konnten wir bei Polizisten fast immer einen guten und sicheren Zeltplatz erfragen. Mit den Beamten in Myanmar konnten wir uns leider kaum auf Englisch verständigen, doch dank unserem Bildwörterbuch war schnell klar, dass wir einen Platz für unser Zelt suchten. Anschließend kam noch ein Beamter der Immigration-Police dazu. Er erklärte uns in gebrochenem Englisch, dass wir als Touristen in einem Hotel schlafen müssten. Er sprach davon, dass wir entweder zurück in die Grenzstadt Tamu müssen, oder in die 70 km entfernte Stadt Kalay, da in unserer näheren Umgebung weit und breit kein Hotel war. Nach Tamu zurückzufahren kam für uns nicht in Frage, ebenso war es schon viel zu spät um noch weitere 70 km zu radeln. Ebenso wollten wir uns eine Busfahrt nach Kalay sparen, welche uns die Polizisten aufdrängen wollten. Natürlich sagten wir das der Polizei nicht, bzw. eigentlich schon, aber es verstand uns ja dort keiner. Wir setzten uns einfach auf unsere Räder, winkten freundlich und fuhren einfach weiter. Wir hatten glücklicher Weise noch ein Ass im Ärmel: nach nicht einmal 1 km kamen wir zu einem buddhistischen Tempel und fragten den dort leitenden Mönch, ob wir für eine Nacht bleiben könnten. Er erzählte uns von einigen Radfahrern, die bereits bei ihm übernachtet haben und nahm uns bei sich auf. Umringt von einer großen Kinder- und Hundeschar bereiteten wir erleichtert auf unserem Gaskocher das Abendessen zu. Wir hätten die Mönche gerne als Dankeschön auf das Essen eingeladen, doch wie in fast allen Tempel in denen wir auf unserer Reise bleiben durften, essen die Mönche nach dem Mittagessen nichts mehr. Diese Nacht war die erste von vielen Nächten in den Tempelanlagen von Myanmar. Wir suchten uns gezielt immer kleine Tempel außerhalb von größeren Städten und hatten so wahrlich wunderschöne Unterkünfte. Einzig und allein die Körperpflege gestaltete sich für Berni meist nicht so einfach, da sie sich nicht, im Gegensatz zu Domi und die anderen Männer,  beim Wasserbecken waschen konnte. Dies hatte aber bald ein Ende (nicht wegen der Geruchsbelästigung – nein – sondern weil sich Berni in Bagan ein bodenlanges Tuch gekauft hat, welches als „Duschkleid“ fungierte).

Unser Rhythmus passte sich denen der Mönche an: Am Abend früh ins Bett und am Morgen um 5 Uhr auf (länger kann man sowieso nicht schlafen, weil sie dann lautstark zu beten beginnen und dies über Lautsprecher abspielen 😀 ) Wir lernten auch viele unterschiedliche Mönchs-Typen kennen: von traditionell bis hin zu überdrehte Mönche die uns auf ein kaltes Bier einluden. Und wenn wir einmal bei einem Tempel eine Absage bekamen (manche Mönche wussten eben, dass man als Tourist eigentlich in einem Hotel schlafen muss), so fragten wir in einem anderen Tempel nach oder schlugen unser Zelt im Grünen auf (dies war aber fast nie nötig – wir verbrachten nur 2 Nächte im Zelt).

Da wir von einem Radfahrkollegen die Info bekommen hatten, dass die Straßen zwischen Kalay und Monywa sehr schlecht sein sollen, entschieden wir uns für eine Alternative. Wir fuhren die Strecke mit dem Boot. Auf dem Fluss Chindwin schafften wir so 200km in ca. 8h.  Von hier ging’s wieder weiter mit dem Fahrrad, unser nächstes Ziel war die weltweit wegen ihren Tempelanlagen bekannte Stadt Bagan. Dort angekommen merkten wir beim täglichem Bananenkauf., dass sie hier nicht in unserer Preisliega spielten. Sogar unsere heißgeliebten Frühstücksnudeln kosteten hier das 4-fache. Glücklicherweise fanden wir aber eine günstige Unterkunft bei einer 83- jährigen Hotelbesitzerin. Sie war selbst einst eine Weltenbummlerin: 1955 fuhr sie im zarten Alter von 20 Jahren mit ihrem 18 Jahre älteren Ehemann mit dem Motorrad 2 Jahre um die halbe Welt. Gestartet sind sie in Myanmar- über Indien, Pakistan usw. nach Europa und wieder zurück. Über ihre Reisen hat sie insgesamt 17 Bücher geschrieben. Da wir bei ihr rundum mit Essen verorgt wurden, nannten wir sie insgeheim liebevoll „Bagan-Oma“.  Wir treffen hier auch das erste Mal auf andere Radreisende.

Da wir uns den Zug nach Yangon sparen wollten, läuteten wir die „Power-Tage“ ein. Somit hatten wir 5 Tage zu je 150 km vor uns. Wir radelten also was das Zeug hielt und schliefen wie wir es gewohnt waren in Tempelanlagen. Diese Idylle wurde jedoch leider eines Abends unterbrochen, also wir unerwarteterweise gegen 20 Uhr Besuch von der Immigration Police bekamen. Diese erklärten uns nun zum zweiten Mal, dass wir in einem Hotel schlafen müssten. Da wir uns aber eigentlich schon zum Schlafen hingelegt hatten und ihnen freundlich erklärten, dass wir mit geringem Budget auskommen wollen, ließen sie uns nach einer halben Stunde endlich wieder zu Bett gehen. Unsere Reisepässe hatten sie sich zuvor gefühlt 20x durchgesehen und unzählige Fotos davon gemacht. Die Nachtruhe währte aber nicht lange – um 1 Uhr nachts wurden Taschlampen auf uns gerichtet. Ein Polizist fragte erneut nach unseren Reisepässen. Wir fragten mehrmals ob es ein Problem gäbe – aber die freundlichen Beamten antworteten immer mit „No Problem“. Am nächsten morgen radelten wir wie immer kurz vor Sonnenaufgang weiter – nur waren wir dieses Mal nicht alleine. Zwei Polizisten fuhren in Zivilkleidung mit ihren Motorrädern neben uns her. Zuerst dachten wir sie möchten uns nur den Weg zeigen, doch als die verschiedensten Polizisten uns den Rest des Vormittages lückenlos verfolgten, fragten wir uns doch wozu der ganze Aufwand gut sein sollte. Alle 5 km wechselten sie sich ab. Sogar beim Frühstück setzten sie sich in das selbe Lokal wie wir. Als wir nach der Rechnung fragten, hatten die Polizisten diese bereits bezahlt. Wir bedankten uns herzlich  und fuhren – gefolgt von den Polizisten – weiter.  Anfangs fuhren sie noch offensichtlich, als Polizisten erkenntlich, hinter uns her. Als wir abermals nachfragten ob es ein Problem gäbe, war die Antwort stets „No Problem“. Am Nachmittag begannen die zivil gekleideten Polizisten uns unauffällig zu verfolgen, bzw. machten sie auch heimlich Fotos von uns. Besonders gut waren sie in diesem Detektivspiel aber nicht. Bis zum Abend konnten wir bestimmt 15 „verdeckte Ermittler“ ausmachen. Wir persönlich dachten uns dabei, dass sie nur sichergehen wollten, ob wir die Nacht in einem Hotel verbringen oder nicht. Berni hatte stets ein ungutes Gefühl, doch dank Dominiks aufmunternde Worte (der die ganze Sache eher lächerlich fand), wurde dieser Tag doch noch erträglich. Als uns die ganze Verfolgerei doch zu bunt wurde, begann auch Dominik Fotos von unseren halbprofessionellen Ermittlern zu schießen. Eine der „Detektive“ ließ sich von dieser Aktion abschrecken, wodurch wir eine kurze verfolgungsfreie Pause hatten. Spürhund Dominik hatte einen Volltreffer gelandet – dank ihm bogen wir kurzerhand in einen kleinen schmalen Schotterweg Richtung Wald ab. Am Ende dieses langen Weges war ein kleines buddhistisches Kloster, bei dem wir einen sicheren Unterschlupf  fanden 😉 . Am nächsten Morgen ging das Spiel nach kurzer Zeit wieder von neuem los. Langsam wurden wir fast wahnsinnig – hinter jedem Motorradfahrer könnte ein Polizist stecken. Wir beschlossen also die Beamten nun völlig zu verwirren und fragten den nächsten LKW-Fahrer, ob wir mit ihm in die nächste Stadt fahren könnten. Wir freuten uns sehr einen 150 km „Power-Tag“ am Rad durch eine gemütliche Lastwagenfahrt zu ersetzen. Nebenbei hatten wir die lästigen Polizisten vom Hals. Wie gewohnt schliefen wir den Rest unserer Myanmarreise bei Tempel bzw. bei Couchsurfern (was eigentlich auch nicht erlaubt ist – weil kein Hotel) 😀

In Yangon angekommen freuten wir uns auf eine kleine Pausenzeit bei unserem Gastgeber von Couchsurfing. Zuerst verarzteten wir noch einen kleinen Jungen, der einen Fahrradunfall hatte. Nach dem ganzen Trubel konnten wir in dieser wunderschönen grünen und modernen Stadt gut abschalten. Wir sammelten Kräfte für die letzte Etappe unserer Zeit in Myanmar (indem wir uns einen Tag nur zwischen Bett, Küche und Klo hin- und herbewegten 😀 ) Unsere letzte Radstrecke zur Thailändischen Grenze hielt zwei besonders schöne Schlafgelegenheiten für  uns bereit. Am vorletzten Abend schliefen wir in einem Tempel, welcher in einen Felsen gebaut wurde (mit Blick auf einen großen See). Ein Mönch in unserem Alter zeigte uns bei einem Abendspaziergang die wunderschöne Landschaft. Die letzte Nacht verbrachten wir im Kerzenschein in einem anderen Tempel nahe der Grenze. Überall wurden wir mit köstlichem Essen versorgt. In diesem Tempel wurden zwei 3-jährige Waisenkinder aufgezogen, die Dominik sofort als Spielkamerad belagerten. Wir haben auch unseren ersten Kuchen mit unserem Gaskocher zubereitet. 🙂

 

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass wir uns in Myanmar (sowie auch im Norosten Indiens) immer wohlfegühlt hatten, obwohl wir mehrmals von einigen Teilen dieser Länder nichts besonders Gutes gehört haben. Immer wieder wurde uns auch am Weg von einer Reise in einzelne Teile abgeraten. Auch das Auswärtige Amt gibt diesen Regionen teilweise die Sicherheitswarnstufe 3.  Wir haben jedoch ausschließlich gute Erfahrungen gemacht und können eine Reise dorthin sehr weiterempfehlen.